Green-Tech- und Klimaschutz-Jobs: Wo der Wandel Arbeit schafft
Die Energiewende schafft nicht irgendwann Stellen, sie schafft sie jetzt. Zwischen 2019 und 2024 haben sich Stellenausschreibungen in der deutschen Energiewende von 173.000 auf 372.000 mehr als…
21. Juli 20265 Min. Lesezeit
Die Energiewende schafft nicht irgendwann Stellen, sie schafft sie jetzt. Zwischen 2019 und 2024 haben sich Stellenausschreibungen in der deutschen Energiewende von 173.000 auf 372.000 mehr als verdoppelt. 2025 arbeiteten rund 436.000 Menschen in erneuerbaren Energien. Wer nach einem Job sucht, der wirklich etwas bewegt, findet gerade ungewöhnlich viel Auswahl.
Die Energiewende als Jobmotor: die Zahlen dahinter
Noch 2019 war die Energiewende als Jobmaschine eher Versprechen als Realität. Inzwischen ist das anders. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung von März 2025 haben sich offene Stellen in Energiewende-Berufen zwischen 2019 und 2024 mehr als verdoppelt. Photovoltaik legte dabei am stärksten zu: plus 146 Prozent auf über 102.000 ausgeschriebene Stellen. Windenergie wuchs um 70 Prozent auf knapp 53.000. Der Gesamtmarkt für Energiewende-Stellen stieg von 173.000 auf 372.000.
Stellenanzeigen in der Energiewende: 2019 vs. 2024
Auffällig ist dabei, wie krisenfest das Feld ist. 2024 gingen die Stellenausschreibungen in Deutschland insgesamt um 16 Prozent zurück. Im Energiewende-Sektor sank die Zahl nur halb so stark. Parallel dazu stieg die tatsächliche Beschäftigung in erneuerbaren Energien 2025 auf rund 436.000 Personen, einen neuen Rekordwert.
Der Bedarf ist dabei enorm. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat im August 2025 errechnet, dass bis 2030 rund 157.000 zusätzliche Fachkräfte für die Energiewende gebraucht werden. In Energietechnik-Berufen dauert die Besetzung einer offenen Stelle im Schnitt 112 Tage, in der Elektrotechnik 114 Tage. Das sind die längsten Vorlaufzeiten aller Berufsgruppen in Deutschland. Der Markt ist eng.
Die wichtigsten Berufsfelder
Klimaschutz und Green Tech sind kein einheitliches Berufsfeld, sondern ein Dachbegriff für sehr unterschiedliche Tätigkeiten.
Erneuerbare Energien: Solar, Wind und Wärmewende
Der beschäftigungsstärkste Bereich ist die Windkraft. 2025 arbeiteten rund 172.000 Menschen in der Windenergiebranche, ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber 2023. Photovoltaik beschäftigte gut 90.000 Personen. Dazu kommen Wärmepumpen mit rund 72.000 Beschäftigten und der Wasserstoffbereich als besonders wachstumsstarkes Feld.
Typische Rollen reichen von der Installation bis in die Projektentwicklung: Elektriker:innen und Dachdecker:innen für Solaranlagen, Servicetechniker:innen für Windanlagen, Ingenieur:innen für Planung und Genehmigungsverfahren. Auf baito finden sich derzeit mehr als 40 offene Stellen im Bereich Windenergie-Projektmanagement und über 140 Positionen in Energieberatung und Energiemanagement.
Energieberatung und -management
Haushalte, Kommunen und Unternehmen wollen Energie sparen, Verbrauch dokumentieren und Förderanträge richtig stellen. Das treibt den Bedarf an Energieberater:innen und Energiemanager:innen. Arbeitgeber sind Stadtwerke, Ingenieur- und Planungsbüros, Klimaschutzagenturen und Energieagenturen wie die Deutsche Energie-Agentur (dena), aber auch Wohnungsunternehmen, Schulen und Kommunen.
Das Berufsfeld ist breiter als der Name vermuten lässt: von der Vor-Ort-Beratung für Hausbesitzer bis hin zur strategischen Steuerung eines kommunalen Gebäudeportfolios.
Klimaschutzmanagement in Kommunen und Unternehmen
Zwei Kräfte treiben dieses Berufsfeld gleichzeitig an. Auf der kommunalen Seite verpflichten Klimaschutzgesetze viele Landkreise und Städte dazu, lokale Klimaschutzkonzepte zu erarbeiten und umzusetzen. Das schafft Stellen für Klimaschutzbeauftragte und Klimaschutzmanager:innen. Auf der Unternehmensseite sorgt die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattungsrichtlinie (CSRD) für einen starken Anstieg der Nachfrage nach Menschen, die Emissionen bilanzieren, Maßnahmen koordinieren und Berichte erstellen. Auf baito sind aktuell rund 38 Stellen im Klimaschutzmanagement ausgeschrieben.
Nachhaltigkeitsmanagement und ESG
Berichtspflichten erzeugen Stellen. Wer Nachhaltigkeitsberichte, CO2-Bilanzen und ESG-Kennzahlen verwaltet, ist in fast allen Branchen gefragt. Das Berufsfeld überschneidet sich mit Klimaschutzmanagement, ist aber breiter: Es geht auch um Lieferketten, soziale Standards und Unternehmensführung. Auf baito gibt es derzeit 45 offene Positionen in diesem Bereich, bei Unternehmen aller Größen, NGOs, Stiftungen und Investmenthäusern.
Die Arbeitgeber sind so verschieden wie die Berufsfelder selbst. Neben klassischen Energieunternehmen und Versorgern stellen Kommunen und Landratsämter für ihre Klimaschutzziele ein. Viele der offenen Stellen kommen von gemeinnützigen Organisationen und Impact-Unternehmen: Umweltverbände, Klimaschutzorganisationen, grüne Startups und Nachhaltigkeitsberatungen.
Besonders aktiv als Arbeitgeber sind auf baito Organisationen wie die Deutsche Energie-Agentur (dena), Energieversorger mit Erneuerbaren-Fokus (BayWa r.e., LichtBlick, Nordex, UKA) und kommunale Einrichtungen. Auch Think-Tanks wie das Ecologic Institut und die Agora Energiewende suchen regelmäßig Fachleute für Klimapolitik und Forschung.
Quereinstieg: wie realistisch ist das?
Laut der Bertelsmann-Studie ist der Anteil der Stellenausschreibungen, die ausdrücklich keine spezifische Ausbildung voraussetzen, zwischen 2019 und 2024 von 2,4 auf 3,8 Prozent gestiegen. Fünf von zehn Schlüsselberufen im Bereich erneuerbare Energien gelten als Engpassberufe, bei denen Arbeitgeber zunehmend auch Bewerber:innen ohne passgenaue Ausbildung einstellen.
Am direktesten funktioniert der Quereinstieg im Handwerk: Elektriker:innen, Dachdecker:innen und Heizungsinstallateur:innen sind in der Solarbranche und der Wärmewende stark gesucht und werden oft direkt eingestellt. Ingenieur:innen aus anderen Feldern haben gute Chancen im Energiemanagement und in der Projektentwicklung. Wer einen kommunikations- oder politiknahen Hintergrund hat, findet Anknüpfungspunkte in Klimaschutzstellen bei Kommunen oder Verbänden.
Wer sich fragt, ob ein Wechsel in diese Richtung passt, findet im Artikel Wie finde ich einen Job mit Sinn? einen nützlichen Einstieg.
Was man verdient
Für Klimaschutz- und Green-Tech-Stellen gibt es keine einheitliche Tariffamilie. Was man verdient, hängt stark vom Sektor, der Organisationsgröße und der Erfahrung ab.
Jahresgehalt in Green-Tech- und Klimaschutz-Berufen
Windenergie-Projektmanagement
65.000 €
Klimaschutzmanagement
65.000 €
Nachhaltigkeitsmanagement
65.000 €
Energieberatung und -management
57.000 €
Klimaschutzreferent:in
55.000 €
Median aus baito-Stellen mit Gehaltsangabe, Stand Juli 2026.
In Stellen des öffentlichen Dienstes gilt meistens TVöD oder TV-L. Klimaschutzbeauftragte bei Kommunen sind häufig in EG 11 oder EG 12 eingruppiert. Was das konkret bedeutet, lässt sich mit dem baito TVöD-Rechner ausrechnen.
Green-Tech-Unternehmen zahlen in der Regel frei verhandelte Gehälter. In der Projektentwicklung und im Ingenieurbereich liegen erfahrene Fachkräfte oft bei 65.000 bis 90.000 Euro. Einstiegspositionen und Referentenstellen im gemeinnützigen Bereich liegen häufig eher bei 42.000 bis 58.000 Euro.
So gelingt der Einstieg
Der direkteste Weg führt über eine Ausbildung oder ein Studium mit Bezug zum Berufsfeld: Energietechnik, Elektrotechnik, Umweltingenieurwesen oder Maschinenbau für technische Positionen; Wirtschafts-, Umwelt- und Politikwissenschaften oder Geografie für Management- und Klimaschutzstellen.
Wer schon berufstätig ist und wechseln möchte, kann über Weiterbildungen anknüpfen. Zertifikatsprogramme in Nachhaltigkeitsmanagement, Energieberaterlehrgänge und Kurse zu CO2-Bilanzierung sind etablierte Wege. Auch ein gezieltes Netzwerk in kommunalen Klimaschutznetzwerken und Branchenverbänden hilft, Stellen zu finden, die nicht überall ausgeschrieben werden.
Klimaschutz- und Green-Tech-Stellen findest du auf baito, von kommunalen Klimaschutzstellen bis zur Windenergie-Projektentwicklung.