Am 07.10.2026 standen auf baito 6.908 Stellen live. Drei von vier Einstiegsstellen sind reine Vor-Ort-Stellen, bei den Senior-Stellen sind es gut vier von zehn. Je mehr Homeoffice eine Anzeige erlaubt, desto seltener richtet sie sich an Leute ohne Berufserfahrung. Die New Yorker Fed führt 64 Prozent des Anstiegs der Arbeitslosigkeit unter jungen US-Absolvent:innen auf Remote-Arbeit zurück, nicht auf KI. Wir haben nachgerechnet, ob der Zusammenhang auch bei uns steht.

Auf baito waren am 07.10.2026 insgesamt 6.908 Stellen live. 455 davon sind als Einstiegsstelle gekennzeichnet, und drei von vier dieser Einstiegsstellen sind reine Vor-Ort-Stellen. Bei den Senior-Stellen sind es gut vier von zehn. Je mehr Homeoffice eine Anzeige erlaubt, desto seltener richtet sie sich an Leute ohne Berufserfahrung. Das passt zu einer Erklärung, die in der deutschen Debatte um Berufseinstieg und KI fast nie vorkommt.
Die Debatte läuft seit zwei Jahren an einer Frage entlang: Frisst die KI die Einstiegsjobs? Wir haben uns das vor ein paar Wochen selbst angesehen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass KI bisher kaum ganze Jobs ersetzt, sondern Aufgaben daraus. Damit bleibt eine Lücke offen. Wenn es nicht die KI ist, warum wird der Einstieg dann schwerer? Es gibt eine zweite Erklärung, sie hat eine Zahl, und sie hat wenig mit Technik zu tun.
Am 01.06.2026 haben Natalia Emanuel (Federal Reserve Bank of New York), Emma Harrington (University of Virginia) und Amanda Pallais (Harvard) eine Auswertung veröffentlicht, die den Anstieg der Arbeitslosigkeit unter jungen US-Hochschulabsolvent:innen aufteilt. Ihr Satz dazu: „We estimate that remote work can explain 64 percent of the increase in unemployment for all young college graduates between 2017−19 and 2022−24.“
Wichtig an der Formulierung, und die Quelle hebt das Wort selbst hervor: Die 64 Prozent beziehen sich auf alle jungen Hochschulabsolvent:innen, nicht nur auf die in homeoffice-fähigen Berufen. Dahinter stehen zwei Vergleiche. Erstens Berufe, die sich aus der Ferne machen lassen, gegen solche, bei denen das nicht geht, in den Worten der Autorinnen Softwareentwicklung gegen Maschinenbau. Zweitens innerhalb dieser Berufe die Jüngeren gegen die Älteren. Bei den unter 29-Jährigen stieg die Arbeitslosenquote von durchschnittlich 3,1 Prozent in den Jahren 2017 bis 2019 auf 3,7 Prozent in den Jahren 2022 bis 2025. Bei den Hochschulabsolvent:innen ab 29 ging sie im selben Zeitraum leicht zurück, von 1,9 auf 1,8 Prozent.
Die KI schließen die drei nicht aus Überzeugung aus, sondern aus zwei Gründen, die sie benennen: „The uptick in youth unemployment rates predates the rapid diffusion of AI. Moreover, even when we hold occupations' exposure to AI constant, we find that the differences between younger and older workers persist.“
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Der Mechanismus, den sie stattdessen vorschlagen, ist unspektakulär. Aus den Daten eines Fortune-500-Unternehmens lesen sie ab, dass Menschen mehr Rückmeldung und mehr Anleitung bekommen, wenn sie neben ihren Kolleg:innen sitzen. Schon bei kurzer räumlicher Trennung wird dieser Strom deutlich dünner. Dasselbe Unternehmen stellte während der Büroschließungen weniger unerfahrene Leute ein und kehrte danach zum alten Muster zurück, nur nicht in den verteilt arbeitenden Teams. Dort blieb es bei den Erfahrenen.
Einarbeitung ist Arbeit, und sie kostet jemanden Zeit. Wer sie aus der Distanz organisieren muss, stellt lieber jemanden ein, der sie nicht braucht. Das ist keine Böswilligkeit, sondern eine Rechnung.
Eine US-Studie beweist für Deutschland nichts. Also haben wir nachgesehen, ob der Zusammenhang bei uns überhaupt sichtbar ist. Dafür haben wir am 07.10.2026 alle Stellen gezählt, die auf baito live standen: 6.908 Anzeigen, davon 6.905 mit hinterlegtem Arbeitsort. 3.911 sind reine Vor-Ort-Stellen (56,6 Prozent), 2.866 sind hybrid (41,5 Prozent), und 128 sind komplett remote ausgeschrieben, also 1,9 Prozent.
Von den reinen Vor-Ort-Anzeigen richten sich 28,7 Prozent an Einsteiger:innen oder Juniors. Bei den hybriden Anzeigen sind es 18,4 Prozent, bei den komplett remote ausgeschriebenen 17,2 Prozent. Der Abstand zwischen Vor Ort und Hybrid ist dabei die belastbare Zahl, weil in beiden Gruppen Tausende Anzeigen stehen.
Der erste Verdacht bei so einem Befund ist immer derselbe: Das ist gar kein Homeoffice-Effekt, das ist ein Rollen-Effekt. Remote wird vor allem ausgeschrieben, wo ohnehin wenig Einstiegsstellen entstehen, und wo Remote-Stellen bei uns wirklich stehen, haben wir schon einmal ausgezählt.
Also haben wir den Vergleich innerhalb der Branchen wiederholt. In die Tabelle kommt jede Branche, die sowohl vor Ort als auch hybrid mindestens 100 Anzeigen hat.
| Branche | Anzeigen vor Ort | Einstieg oder Junior | Anzeigen hybrid | Einstieg oder Junior |
|---|---|---|---|---|
| Beratung | 159 | 11,3 % | 137 | 6,6 % |
| Business Development | 161 | 8,7 % | 125 | 8,0 % |
| Finanzen und Rechnungswesen | 258 | 22,5 % | 344 | 20,9 % |
| Ingenieurwesen | 746 | 20,5 % | 565 | 12,0 % |
| PR, Marketing und Events | 121 | 31,4 % | 203 | 23,6 % |
| Software, Daten und IT | 207 | 26,6 % | 386 | 18,7 % |
| Soziale Arbeit und Pädagogik | 1.222 | 33,2 % | 204 | 18,1 % |
| Verwaltung und Sekretariat | 261 | 55,9 % | 134 | 50,0 % |
| Vertrieb | 170 | 22,4 % | 147 | 16,3 % |
Neun Branchen erfüllen die Bedingung, und in neun von neun zeigt der Vergleich in dieselbe Richtung. Der Abstand ist unterschiedlich groß, bei Business Development fast nicht vorhanden, im Ingenieurwesen und in der Sozialen Arbeit deutlich. Aber er dreht sich kein einziges Mal um. Ein reiner Branchenmix erklärt das nicht.
Der zweite Verdacht: Vor-Ort-Stellen sehen nur deshalb einstiegsfreundlicher aus, weil dort die Werkstudiums- und Praktikumsplätze liegen, und die kann man schlecht von zu Hause machen. Auch das trägt nicht. Der Anteil studentischer Formate ist über alle drei Arbeitsorte fast gleich (7,3 Prozent vor Ort, 7,8 Prozent hybrid, 6,3 Prozent remote). Rechnet man Werkstudium, Praktikum, Ausbildung, Abschlussarbeiten und Freiwilligendienste komplett heraus, wird der Abstand sogar größer statt kleiner: 23,6 Prozent Einstieg oder Junior vor Ort gegen 11,7 Prozent hybrid. Schaut man nur auf Vollzeitstellen, bleibt dieselbe Reihenfolge: 19,1 Prozent vor Ort, 11,0 Prozent hybrid, 8,7 Prozent remote.
Dieselben Daten von der anderen Seite her sind noch deutlicher.
Bei den komplett remote ausgeschriebenen Stellen tragen 57,0 Prozent die Stufe Senior, Lead oder Geschäftsführung. Vor Ort sind es 16,6 Prozent. Nimmt man nur die Vollzeitanzeigen, liegt der Remote-Anteil bei 66,0 Prozent von 103 Anzeigen, und genau 1,9 Prozent davon sind Einstiegsstellen.
Für dich als Einsteiger:in ist die wichtigere Zahl die aus der Gegenrichtung. Von den 453 Einstiegsanzeigen mit hinterlegtem Arbeitsort stehen 75,5 Prozent vor Ort, 23,0 Prozent sind hybrid und 1,5 Prozent komplett remote. Bei den Senior-Anzeigen sind es 42,4 Prozent vor Ort, 50,7 Prozent hybrid und 6,9 Prozent remote. Das Homeoffice ist auf diesem Board nicht gleichmäßig verteilt. Es wird nach oben hin vergeben.
Vier Einschränkungen, und sie sind keine Formalität.
Wir haben einen Querschnitt gemessen, keine Zeitreihe. Unsere Zahlen zeigen, dass Anzeigen mit mehr Homeoffice heute seltener Einstiegsanzeigen sind. Sie zeigen nicht, dass Einstiegsstellen verschwunden sind, weil Homeoffice zugenommen hat. Die zeitliche Hälfte des Arguments steht in der Fed-Auswertung, und die hat US-Daten gemessen.
128 Remote-Anzeigen sind wenig. Der Vergleich, auf den man sich verlassen kann, ist Vor Ort gegen Hybrid. Die Remote-Spalte zeigt in dieselbe Richtung, sie ist aber eine kleine Gruppe, und in einzelnen Branchen stehen dort weniger als zehn Anzeigen. Deshalb taucht sie in der Branchentabelle gar nicht auf.
Deutschland arbeitet deutlich seltener von zu Hause als die USA. Laut Statistischem Bundesamt haben 2025 rund 25 Prozent der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich im Homeoffice gearbeitet, 2019 waren es 13 Prozent. Und die Jüngsten sind am seltensten zu Hause: Bei den 15- bis 24-Jährigen sind es 10 Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen 28 Prozent, bei den 35- bis 44-Jährigen 30 Prozent. Der Effekt, um den es hier geht, kann bei uns also schwächer ausfallen als in den USA.
Die Erfahrungsstufe ist ein grobes Etikett. Sie wird je Anzeige gesetzt und sagt nichts darüber, wie viele Jahre Erfahrung tatsächlich dahinterstehen. Das gilt für jede Auswertung, die darauf aufsetzt, auch für unsere.
Dazu kommt ein Vorbehalt der Autorinnen selbst. Ihre Firmendaten stammen aus einem einzigen Unternehmen, und sie schreiben ausdrücklich, dass generative KI und andere Faktoren künftig eine größere Rolle spielen könnten. Die Frage ist also nicht, ob die KI den Einstieg verändert. Die Frage ist, ob sie die beste Erklärung für das ist, was bis jetzt passiert ist.
Es gibt eine zweite deutsche Zahl, und sie liest sich erst einmal wie das Gegenteil einer Krise. Timon Hellwagner und Enzo Weber vom IAB haben am 10.08.2026 ausgewertet, dass die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen zwischen 2015 und 2025 um 7,1 Prozentpunkte auf 76,8 Prozent gestiegen ist, allein seit 2023 um 0,9 Prozentpunkte. Junge Leute sind so häufig im Arbeitsmarkt wie seit Jahrzehnten nicht.
Nur steht im selben Text, wo sie arbeiten: Junge sind deutlich häufiger als Ältere in Handelsberufen und in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen beschäftigt, um 3,4 beziehungsweise 4,4 Prozentpunkte. Hohe Erwerbsbeteiligung ist nicht dasselbe wie guter Berufseinstieg. Beides kann gleichzeitig stimmen: viele Junge arbeiten, und der qualifizierte erste Job ist trotzdem schwerer zu bekommen.
Das Problem ist nicht auf einen Sektor begrenzt. Es trifft den Einstieg bei einem Umweltverband genauso wie den in einer Softwarefirma. Aus unseren Zahlen folgen trotzdem vier recht konkrete Dinge.
Setz den Remote-Filter nicht an den Anfang. Wenn du am Berufsanfang stehst und zuerst auf komplett remote filterst, bleiben dir 1,5 Prozent der Einstiegsanzeigen. Filterst du auf hybrid mit, sind es 24,5 Prozent. Das ist der teuerste Klick in der ganzen Suche.
Filter auf Einstieg und Junior zusammen. Auf unserem Board stehen 455 Einstiegs- und 1.220 Junior-Anzeigen. Wie groß dieser Unterschied ist und welche Rollen dahinterstecken, haben wir in der Auszählung zum Berufseinstieg im Impact-Sektor aufgeschlüsselt.
Frag im Gespräch nach der Einarbeitung, und zwar nicht, ob es eine gibt. Frag, wer dir die ersten Wochen über die Schulter schaut, an wie vielen Tagen diese Person vor Ort ist und wen du fragst, wenn sie im Urlaub ist. Wenn darauf keine klare Antwort kommt, ist das eine Information über die Stelle, nicht über dich. Und wenn eine Anzeige Einstieg und volles Homeoffice gleichzeitig anbietet, lohnt dieselbe Frage doppelt: Diese Kombination ist selten, und sie ist entweder gut durchdacht oder gar nicht.
Nimm die Wege mit, die Einarbeitung eingebaut haben. Werkstudium, Volontariat und Traineeprogramm sind genau dafür gemacht. Wie selten echte Traineeprogramme im Sektor ausgeschrieben sind und über welche Jahrgänge sie stattdessen laufen, steht in unserer Übersicht zu Traineeprogrammen. Wenn der Ausbildungsweg gerade nicht aufgegangen ist, sammeln wir die Alternativen im gemeinnützigen Sektor separat.
Die offenen Stellen findest du unter allen Jobs, die gemeinnützigen Arbeitgeber gebündelt unter NGO-Jobs. Wie sich Arbeitsort und Erfahrungsstufe auf dem Board über die Wochen bewegen, kannst du im baito Index selbst nachsehen.
Grundlage ist eine Vollzählung aller Stellen, die am 07.10.2026 auf baito live standen: 6.908 Anzeigen, durchpaginiert ohne Suchbegriff und ohne Zeitfenster. Zur Gegenprobe standen an diesem Tag 7.377 Job-URLs in unserer Jobs-Sitemap, also 6,4 Prozent mehr. Die Differenz entsteht, weil beide Listen zu leicht verschiedenen Zeitpunkten gebaut werden.
Drei Anzeigen tragen keinen Arbeitsort, sie fallen aus allen Vergleichen heraus. Trägt eine Anzeige mehrere Arbeitsorte, zählt der durchlässigste, weil es um das Angebot geht und nicht um die Pflicht. Im aktuellen Bestand kommt dieser Fall allerdings nicht vor: Jede Anzeige mit Arbeitsort trägt genau einen. Anzeigen mit zwei Erfahrungsstufen (etwa „Junior bis Mid“) zählen in beide, deshalb summieren sich die Stufenanteile auf etwas mehr als 100 Prozent.
Alle Prozentwerte zu unserem Board stammen aus diesen eigenen Stellendaten. Die Zahlen zur US-Arbeitslosigkeit stammen aus der verlinkten Auswertung der Federal Reserve Bank of New York, die zum deutschen Homeoffice vom Statistischen Bundesamt und die zur Erwerbsbeteiligung vom IAB.
Foto: KOBU Agency auf Unsplash
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