Du hast dich beworben, vielleicht zwanzigmal, und am Ende des Sommers stand kein Ausbildungsvertrag. Das ist kein Einzelfall, und es sagt wenig über dich aus. Zum Stichtag 30. September 2025 suchten…

Du hast dich beworben, vielleicht zwanzigmal, und am Ende des Sommers stand kein Ausbildungsvertrag. Das ist kein Einzelfall, und es sagt wenig über dich aus. Zum Stichtag 30. September 2025 suchten laut dem BIBB-Datenreport 2026 noch 84.400 junge Menschen eine Ausbildungsstelle, knapp 20 Prozent mehr als ein Jahr davor. Im Jahr 2024 blieb zugleich ein Drittel der angebotenen Ausbildungsstellen unbesetzt. Dieser Text erklärt, was hinter dieser doppelten Lücke steckt, welche Ansprüche du seit 2024 tatsächlich hast, und wie ein Weg in den gemeinnützigen Sektor aussieht, wenn der klassische Vertrag dieses Jahr nicht zustande kam.
Die Zahlen kommen vom Bundesinstitut für Berufsbildung, das jedes Jahr zum 30. September erhebt, und sie sind unangenehm eindeutig. Bundesweit wurden rund 476.000 duale Ausbildungsverträge neu abgeschlossen, 10.300 weniger als 2024, ein Minus von 2,1 Prozent. Die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber, also derer, die weder in eine Ausbildung noch in eine Alternative eingemündet sind, stieg um 8.700 auf 39.900. Das BIBB nennt das einen neuen Höchststand seit 2007.
Diese 39.900 sind aber nicht die ganze Gruppe. Weitere 44.500 junge Menschen hatten zum Stichtag zwar eine Alternative, etwa ein weiteres Schuljahr oder einen Job, wollten aber weiterhin in eine Ausbildung vermittelt werden. Zusammen ergibt das die 84.400 aus dem ersten Absatz. Wer nur die 39.900 liest, unterschätzt die Gruppe um mehr als die Hälfte.
+19,9 % gegenüber 2024
+28,0 %, Höchststand seit 2007
10.300 weniger als 2024
Dahinter liegt eine zweite Zahl. Nach BIBB-Berechnungen auf Basis des Mikrozensus hatten 2024 rund 2,76 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss, ein Anteil von 18,8 Prozent. Gegenüber 2023 ist der Wert leicht gesunken, von 19,0 Prozent und 2,79 Millionen, bleibt aber hoch. Sie beschreibt einen Zustand und keinen Endpunkt: Ein Berufsabschluss lässt sich mit 22 oder mit 30 nachholen, und mehrere der Wege im nächsten Abschnitt sind genau dafür gebaut.
Die Betriebe haben nicht aufgehört auszubilden. Das IAB beziffert den Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen für 2024 auf 33 Prozent, nah am bisherigen Höchststand von 35 Prozent im Jahr 2023. Bei Kleinstbetrieben sind es 58 Prozent, im Baugewerbe 44 und bei personennahen Dienstleistungen 40 Prozent. Und bei der Bundesagentur für Arbeit waren im September 2025 zwar 444.000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet, aber auch 494.000 Ausbildungsstellen.
Rechnerisch gibt es also mehr Plätze als Suchende. Dass beide Seiten trotzdem nicht zusammenfinden, nennt das IAB ein Matching-Problem: falsche Region, falscher Beruf, fehlende Information, oder ein Betrieb und eine Bewerbung, die nie voneinander erfahren. Wenn du nur in deinem Wohnort und nur in den zwei, drei Berufen gesucht hast, die du aus der Schule kennst, hast du deshalb wahrscheinlich einen kleinen Ausschnitt eines Marktes gesehen, der insgesamt gar nicht so eng ist.
Zwei weitere Zahlen aus derselben Auswertung lohnen den Blick. 2023 wurden 29,7 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse vorzeitig beendet, also fast jedes dritte. Und wer die Ausbildung abschließt, wird immer häufiger übernommen: Die Übernahmequote lag 2024 bei 79 Prozent, ein neuer Höchststand. Beides zusammen heißt, dass Plätze auch nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn wieder frei werden, und dass sich das Durchhalten am Ende messbar auszahlt.
Für genau deine Situation gibt es seit 2024 eigene Instrumente. Sie stehen im Aus- und Weiterbildungsgesetz, und das BMAS fasst sie unter dem Begriff Ausbildungsgarantie zusammen. Die meisten Jugendlichen, die keinen Platz bekommen haben, kennen keines davon.
| Instrument | Rechtsgrundlage | Seit | Was es dir bringt |
|---|---|---|---|
| Berufsorientierungspraktikum | § 48a SGB III | 1.4.2024 | Kurzes Praktikum, auch überregional, samt Übernahme der Fahrt- und Unterkunftskosten |
| Einstiegsqualifizierung | § 54a SGB III | 1.4.2024 | Mindestdauer auf vier Monate verkürzt, Teilzeit erleichtert, auch offen für frühere Abbrechende beim selben Arbeitgeber |
| Mobilitätszuschuss | § 73a SGB III | 1.4.2024 | Fahrtkosten für zwei Familienheimfahrten pro Monat im ersten Ausbildungsjahr bei wohnortferner Ausbildung |
Der letzte Punkt ist der stärkste und der am wenigsten bekannte. Die Förderung ist laut BMAS ausdrücklich auch für sogenannte Marktbenachteiligte geöffnet, also für junge Menschen in einer Region, für die die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter eine erhebliche Unterversorgung an Ausbildungsplätzen festgestellt hat. Ob deine Region dazugehört, steht auf keiner Website. Das beantwortet die Berufsberatung deiner örtlichen Agentur für Arbeit, das Jobcenter oder die Jugendberufsagentur, und die Frage kostet dich ein Telefonat.
Der Mobilitätszuschuss ist der zweite unterschätzte Hebel, weil er direkt am Matching-Problem ansetzt. Wenn es in deinem Landkreis keinen Platz gibt, im Nachbarkreis aber drei, scheitert der Wechsel oft an Fahrtkosten und Miete. Genau dafür ist der Paragraf da.
Wenn dich Arbeit mit gesellschaftlichem Nutzen interessiert, für Umwelt, Kultur, Bildung, Menschenrechte oder Katastrophenschutz, ist der Bundesfreiwilligendienst der konkreteste Einstieg, der dir dieses Jahr noch offensteht. Er ist gesetzlich geregelt, und die Bedingungen sind öffentlich nachlesbar. Laut BMBFSFJ kann jede und jeder nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht teilnehmen, der Dienst dauert in der Regel zwölf, mindestens sechs und höchstens 24 Monate, und im Jahresdurchschnitt sind knapp 36.000 Bundesfreiwillige im Einsatz. Einsatzstellen gibt es im sozialen und ökologischen Bereich, außerdem in Sport, Integration, Kultur und Bildung sowie im Zivil- und Katastrophenschutz.
Finanziell sieht das so aus: Das Taschengeld hatte 2025 eine Obergrenze von 644 Euro monatlich für einen Vollzeitdienst. Diese Obergrenze ist keine Zusage, du bekommst also das, was deine Einsatzstelle zahlt, und danach solltest du im Gespräch fragen. Freiwillige sind gesetzlich sozialversichert, und Eltern volljähriger Freiwilliger bis zum 25. Geburtstag bekommen weiter Kindergeld.
Für den Weg in den gemeinnützigen Sektor ist der Dienst deshalb interessant, weil du ein Jahr lang von innen siehst, wie ein Verein, ein Verband oder eine Stiftung arbeitet: wie Projekte finanziert werden und wer die Anträge dafür schreibt. Das merkt man einer späteren Bewerbung an. Und du lernst über die Einsatzstelle Menschen kennen, die dich weiterempfehlen können. Der Dienst in Pflege- und Betreuungseinrichtungen läuft anders und hat eigene Regeln, dafür lohnt eine gesonderte Beratung.
An dieser Stelle die ehrliche Auskunft aus unseren eigenen Daten. baito indexiert Impact-Stellen bei NGOs, Stiftungen, Vereinen und Impact-Unternehmen, und am 8. August 2026 stand unser Stellentyp Ausbildung bei null aktiven Anzeigen. Die paar echten Ausbildungsangebote, die auf dem Board liegen, hängen unter einem anderen Stellentyp und sind über die Suche praktisch nicht zu finden. Wer bei uns das Wort Ausbildung eintippt, bekommt Stellen für Ausbilderinnen und Ausbilder, also die andere Seite des Tisches. Plätze für ein FSJ oder einen Bundesfreiwilligendienst führen wir gar nicht. Dafür sind die Bundesagentur für Arbeit, die Lehrstellenbörsen der Kammern und die Träger selbst die richtige Adresse, nicht wir.
Was auf dem Board liegt, sind die Stellen danach. 328 aktive Anzeigen sind als Einstiegspositionen ausgeschrieben. Ihre Verteilung sagt dir ziemlich genau, welche Qualifikation im gemeinnützigen Sektor am breitesten trägt.
Verwaltung und Sekretariat führt die Liste an, und das ist eine gute Nachricht für jemanden, der gerade einen Ausbildungsplatz sucht. Eine kaufmännische Ausbildung im Büro qualifiziert dich für den größten Einstiegsbereich des Sektors, und sie lässt sich in fast jeder Branche machen, auch in einer, die mit Impact zunächst nichts zu tun hat. Bei IT ist es ähnlich: Eine Fachinformatik-Ausbildung führt später in Organisationen, die Leute für Datenbanken, Websites und Spendensysteme suchen. Du kannst also einen Beruf dort lernen, wo gerade ein Platz frei ist, und ihn später in den Sektor mitnehmen.
Wenn du sehen willst, wer im gemeinnützigen Sektor überhaupt existiert, hilft ein Nachmittag im Organisationsverzeichnis mehr als jede Berufsberatung. Für den Überblick, wie NGOs arbeiten und wie sie sich von Behörden und Unternehmen unterscheiden, gibt es unsere NGO-Übersicht, und die Begriffe, die dir dabei ständig begegnen, stehen im baito Impact Wörterbuch.
Vier Schritte, in dieser Reihenfolge, alle kostenlos:
Termin bei der Berufsberatung machen und dort ausdrücklich nach dem Berufsorientierungspraktikum, dem Mobilitätszuschuss und der außerbetrieblichen Ausbildung fragen. Die Instrumente werden nicht von allein angeboten. Frag konkret, ob deine Region als unterversorgt gilt.
Den Suchradius verdoppeln. Bei 494.000 gemeldeten Stellen und 444.000 gemeldeten Bewerbenden liegt das Problem meistens zwischen Landkreisen und nicht zwischen dir und dem Markt.
Weitersuchen, obwohl der September vorbei ist. Weil fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis vorzeitig endet, werden im Herbst und Winter regelmäßig Plätze wieder frei. Die Nachvermittlung der Agenturen und die Lehrstellenbörsen der Kammern laufen das ganze Jahr.
Parallel eine Einsatzstelle für einen Freiwilligendienst suchen, wenn dich der gemeinnützige Bereich interessiert. Ein Start im Herbst oder zum Jahreswechsel ist realistisch, und ein halbes Jahr in einer Organisation bringt dich weiter als ein halbes Jahr Warten.
Und wenn in zwei oder drei Jahren ein Abschluss in der Tasche liegt: Die Einstiegsstellen im Impact-Sektor stehen dann immer noch da. Wie ein Bewerbungsgespräch im NGO- und Sozialsektor abläuft, haben wir hier aufgeschrieben, und wen du in der Bewerbung eigentlich ansprichst, klärt der Text zur modernen Bewerbungsanrede.
Foto: Vitaly Gariev auf Unsplash
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| Außerbetriebliche Berufsausbildung |
| § 76 SGB III |
| 1.8.2024 |
| Rechtsanspruch auf Förderung, wenn die Fördervoraussetzungen erfüllt sind |
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