Am 22. Juni 2026 haben mehr als 1.500 Städte, Gemeinden und Landkreise für einen Tag lang öffentlich sichtbar gemacht, wie leer ihre Kassen sind. Der Aktionstag "Kommunen am Limit" der drei…
Am 22. Juni 2026 haben mehr als 1.500 Städte, Gemeinden und Landkreise für einen Tag lang öffentlich sichtbar gemacht, wie leer ihre Kassen sind. Der Aktionstag "Kommunen am Limit" der drei kommunalen Spitzenverbände war keine Symbolpolitik: Er richtete sich an Bund und Länder, mit der klaren Botschaft, dass die kommunale Finanzkrise längst in Schwimmbädern, Schulen und eben auch in der sozialen Arbeit ankommt. Für alle, die in diesem Bereich arbeiten oder dort arbeiten wollen, lohnt sich ein genauerer Blick, was diese Krise konkret bedeutet.
31,9 Milliarden Euro Defizit im Jahr 2025, der höchste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung. Diese Zahl allein wäre schon Grund zur Sorge. Ein Expertenrat, den die Bertelsmann Stiftung eingesetzt hat, benennt auch die Ursache: "Hauptursache bleibt die anhaltend starke Dynamik auf der Ausgabenseite, insbesondere bei den Sozial- und Personalausgaben." Dazu kommt eine schwache Konjunktur, die vor allem die Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen schrumpfen lässt.
Parallel dazu wächst ein zweites Loch: der Investitionsstau in der öffentlichen Infrastruktur. Laut KfW-Kommunalpanel 2026 hat er mit 231 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erreicht, 15 Milliarden mehr als im Vorjahr.
| Bereich | Investitionsrückstand |
|---|---|
| Schulen | 69 Mrd. € |
Impact?! Purpose?! Sinn?! Sustainability?! Ich will doch nur 'nen neuen Job!
"Sehr geehrte Damen und Herren" steht noch in den meisten Bewerbungsvorlagen, aber immer mehr Personalverantwortliche lesen daraus vor allem eins heraus: dass die Bewerbung ungezielt verschickt…
Die Energiewende schafft nicht irgendwann Stellen, sie schafft sie jetzt. Zwischen 2019 und 2024 haben sich Stellenausschreibungen in der deutschen Energiewende von 173.000 auf 372.000 mehr als…
| Straßen und Verkehr |
| 54 Mrd. € |
| Sportstätten | 22 Mrd. € |
| Brand- und Katastrophenschutz | 22 Mrd. € |
Quelle: KfW-Kommunalpanel 2026
Wo Infrastruktur bröckelt, bröckelt auch das Vertrauen in den Staat als Ganzes. Und wo das Geld für Schulen und Straßen fehlt, wird an anderer Stelle noch härter gerechnet: bei freiwilligen Leistungen, bei Zuschüssen an freie Träger, bei allem, was sich politisch leichter kürzen lässt als eine Pflichtaufgabe.
Genau hier setzt eine aktuelle Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege an, unter deren Dach rund 120.000 Einrichtungen und Dienste arbeiten, von der Kita bis zur Wohnungslosenhilfe. Die Zahlen aus der Befragung vom Februar 2026 lesen sich nüchtern und alarmierend zugleich: 82 Prozent der befragten Einrichtungen rechnen damit, ihre Angebote künftig einschränken zu müssen. 28 Prozent gehen davon aus, ein Angebot komplett zu streichen. Und ein Fünftel hat bereits ganz geschlossen, ein Sprung von 14,7 Prozent im Jahr 2024.
2024: 14,7 %
BAGFW-Präsident Achim Meyer auf der Heyde bringt es auf den Punkt: "Unsere rund 120.000 Einrichtungen und Dienste sind tragende Säulen des Sozialstaates." Wenn sie wegfallen, verlieren Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht nur Unterstützung, sondern auch einen der wenigen Orte, an denen Solidarität und Teilhabe noch konkret erfahrbar sind.
Wie konkret die Kürzungsdebatte inzwischen geführt wird, zeigt ein internes Arbeitspapier, das der Paritätische Gesamtverband im April 2026 öffentlich gemacht hat. Eine Bund-Länder-Kommunen-Arbeitsgruppe hatte dort mehr als 70 Sparvorschläge mit einem bezifferten Volumen von mindestens 8,6 Milliarden Euro zusammengetragen, unter anderem bei der Schulbegleitung für Kinder mit Behinderung und beim Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende. Rund zwei Drittel der Vorschläge sind dabei noch gar nicht in Euro beziffert, das tatsächliche Kürzungsvolumen dürfte also höher liegen. Wohlfahrtsverbände und Betroffenenorganisationen laufen seither Sturm dagegen, mit dem Argument, dass hier auf dem Rücken der Schwächsten gespart würde.
Man könnte erwarten, dass sich diese Krise unmittelbar in den Gehältern von Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen niederschlägt. Tatsächlich ist die Lage etwas widersprüchlicher. Ein Blick in baitos eigene Stellendaten zeigt: Über rund 60 aktuelle Vollzeitstellen für Sozialarbeiter:in und Sozialpädagoge:in liegt der Median bei etwa 48.000 Euro Jahresgehalt, die Spanne reicht von rund 28.000 bis 61.000 Euro.
Diese Spanne folgt weitgehend dem, was der TVöD-SuE für Sozial- und Erziehungsdienst vorsieht, je nach Entgeltgruppe, Stufe und Berufserfahrung. Wer die eigene Stelle konkret einordnen will, findet im TVöD-Rechner die passende Bruttosumme für Entgeltgruppe und Stufe. Ausführlicher zu Gehalt und Berufsbild schreiben wir im Artikel Sozialpädagoge Gehalt.
Der Grund, warum die Gehälter trotz klammer Kommunen nicht einfach nachgeben, ist simpel: Der Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit ist strukturell und besteht unabhängig von der Haushaltslage. Kommunen und Träger können bei den Ausgaben kürzen, sie können sich aber nicht aussuchen, ob sie überhaupt noch jemanden für offene Stellen finden. Was tatsächlich unter Druck gerät, ist eher die andere Seite der Gleichung: die Zahl der Stellen selbst, die Ausstattung der Teams, die Fallzahlen pro Fachkraft. Wenn Einrichtungen schließen oder Angebote gestrichen werden, wie es die BAGFW-Umfrage beschreibt, trifft das zuerst die Versorgung vor Ort, nicht unbedingt den einzelnen Tarifvertrag.
Die paradoxe Konsequenz dieser Gemengelage: Der Bedarf an Sozialer Arbeit sinkt nicht, während die Mittel dafür schrumpfen. Ein Kind mit Förderbedarf braucht seine Schulbegleitung auch dann, wenn die Kommune gerade knapp bei Kasse ist, und eine Familie in der Krise wartet nicht, bis der Haushalt saniert ist. Die Kürzungsdebatte macht Soziale Arbeit deshalb nicht überflüssiger, sondern zeigt gerade jetzt, wie sehr sich der Sozialstaat auf sie verlässt. Wer in diesem Feld einsteigt oder bleibt, arbeitet an einer der Stellen, an denen sich entscheidet, ob dieses Versprechen unter Druck noch trägt.
Für Träger und öffentliche Arbeitgeber heißt das umgekehrt: In einer Zeit, in der Schließungen und Streichungen die Schlagzeilen prägen, wird die eigene Perspektive als verlässlicher Arbeitgeber zu einem echten Argument im Wettbewerb um Fachkräfte, gerade weil so viele potenzielle Bewerber:innen genau diese Unsicherheit aus den Nachrichten kennen. Wer klar kommunizieren kann, dass die eigene Einrichtung finanziell stabil aufgestellt ist und langfristig plant, hat es leichter, offene Stellen zu besetzen.
Wer selbst nach einer Stelle in der Sozialen Arbeit sucht oder freie Stellen ausschreiben will, findet auf der baito-Themenseite Soziales einen Überblick über Berufsbilder, Träger und aktuell offene Stellen im Feld.

WABE e.V.

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Stiftung SPI

GEBEWO - Soziale Dienste

SOAL e.V.

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