Die Energiewende ist nicht nur ein politisches Projekt — sie ist einer der größten Jobmotoren, die Deutschland gerade erlebt. Über 436.000 Menschen arbeiten bereits in der erneuerbaren…

Die Energiewende ist nicht nur ein politisches Projekt — sie ist einer der größten Jobmotoren, die Deutschland gerade erlebt. Über 436.000 Menschen arbeiten bereits in der erneuerbaren Energiebranche, und der Bedarf wächst schneller als der Markt ihn füllen kann. Ob du Handwerk, Technik, Projektmanagement oder Beratung mitbringst — oder gerade erst nachdenkst, in welche Richtung du möchtest: Der Einstieg in die Energiewende ist breiter möglich, als viele vermuten.
Mit 436.000 Beschäftigten im Jahr 2025 hat die erneuerbare Energiebranche in Deutschland einen historischen Rekord erreicht. Zum Vergleich: 2022 waren es rund 387.000 — ein Anstieg von fast 13 % in drei Jahren. Und das ist erst der Anfang.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schätzt, dass bis 2030 rund 160.000 zusätzliche Arbeitskräfte für die Energiewende gebraucht werden. Bis 2040 kommen nochmals rund 102.000 dazu. Das spürt man am Arbeitsmarkt: Stellen in der Energietechnik bleiben im Schnitt 112 bis 114 Tage unbesetzt — fast doppelt so lang wie in anderen Branchen. Für Bewerberinnen und Bewerber bedeutet das eine günstige Ausgangslage.
Dabei wächst nicht alles gleichmäßig: Solar-PV legte 2023 allein um 35 % zu — 87 TWh Stromerzeugung (+21 %) im Jahr 2025, so Fraunhofer ISE. Und bei Wärmepumpen wurde 2025 erstmals mehr neue Anlagen installiert als Gasheizungen — ein Zeichen für den Turbo in der Wärmewende, bestätigt durch den dena-Gebäudereport 2026.
Die Energiewende braucht kein einzelnes Profil, sondern viele. Grob lassen sich vier Berufsfelder unterscheiden:
Das Rückgrat der Energiewende sind Fachkräfte, die Anlagen bauen, installieren und warten. Gesucht werden vor allem:
Solartechniker:in — Installation und Wartung von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen auf Dächern und Freiflächen
Elektroniker:in für Betriebstechnik — elektrische Systemtechnik in Windparks, Netzinfrastruktur und Solarprojekten
Mechatroniker:in (Windenergietechnik) — Wartung von Windkraftanlagen, oft in großer Höhe, oft in kleinen Spezialbetrieben
Anlagenmechaniker:in für SHK (Sanitär, Heizung, Klima) — stark nachgefragt im Zuge der Wärmewende
Dachdecker:in — Spezialisierung auf Photovoltaik ist inzwischen ein eigenes Profilfeld
Die Bundesagentur für Arbeit listet eine breite Palette an Ausbildungsberufen rund um erneuerbare Energien — von der Solartechnik über Elektroniker:innen bis zu Anlagenmechaniker:innen.
Wer technisch studiert hat, findet breite Einstiegsmöglichkeiten: Von der Projektentwicklung für Wind- und Solarparks über Netz- und Systemtechnik bis zur Wasserstoffforschung. Inzwischen gibt es Ingenieur-Studiengänge, die Erneuerbare Energien als eigene Vertiefung oder eigenständig anbieten. Das Fraunhofer ISE in Freiburg ist einer der bekanntesten Forschungsarbeitgeber für Absolvent:innen.
Kein Windpark und kein Solarprojekt entsteht ohne Projektmanager:innen, Finanzierungsspezialist:innen und Vertriebsfachkräfte. Diese Rollen sind häufig auch für Quereinsteiger:innen aus anderen Branchen offen.
Energieberater:in — ein Beruf, den man auch ohne Ingenieurstudium über eine IHK/HWK/TÜV-Zertifizierung erreichen kann; besonders gefragt durch das Gebäudesanierungsprogramm des Bundes
Klimaschutzmanager:in — bei Kommunen, Landkreisen, Sozialunternehmen und NGOs
Nachhaltigkeitsmanager:in — mehr zu diesem Berufsfeld auf der baito-Übersichtsseite Nachhaltigkeitsmanagement
Berufsausbildung ist der direkteste Weg für viele Kernberufe. Die meisten Ausbildungen dauern 3 bis 3,5 Jahre; wer danach im Betrieb bleibt, hat oft einen direkten Aufstiegsweg.
Studium: Maschinenbau, Elektrotechnik und Umwelttechnik führen klassisch in die Branche. Viele Hochschulen bieten inzwischen eigenständige Studiengänge wie „Erneuerbare Energien" oder „Energietechnik" an.
Weiterbildung und Zertifikate sind der Weg für Berufstätige, die sich neu ausrichten oder spezialisieren wollen:
Techniker:in für Umweltschutztechnik und regenerative Energien (2 Jahre Vollzeit oder 4 Jahre berufsbegleitend an Fachschulen)
Fachwirt:in für Solartechnik (IHK)
Energieberater-Zertifizierung (IHK, HWK oder TÜV Akademie — kein Studium notwendig)
Die Energiewende ist ausdrücklich offen für Menschen, die nicht aus der Branche kommen. Laut ee-hub.de hat sich der Anteil von Stellenangeboten, die sich explizit an Quereinsteiger:innen richten, zwischen 2019 und 2024 von 3,3 % auf 7,2 % mehr als verdoppelt. Die Agentur für Erneuerbare Energien bringt es direkt auf den Punkt: „Quereinsteiger haben genauso gute Chancen wie Spezialist:innen" — besonders dort, wo branchenübergreifendes Know-how gefragt ist.
Hintergründe, die gut transferieren:
| Herkunft | Mögliche Rollen in der Energiewende |
|---|---|
| Handwerk (Elektriker:in, SHK) | Direkteinstieg Solartechnik, Wärmepumpen |
| IT / Informatik | Energiemanagementsoftware, Smart Grid, Datenanalyse |
| Kaufleute / Vertrieb | Projektfinanzierung, Ausschreibungen, Energievertrieb |
| Naturwissenschaften | Forschung, Energiesystemplanung, Wasserstoff |
| Projektmanagement | Entwicklung Solar-/Windprojekte |
Umschulung und Weiterbildung: Viele Arbeitgeber in der Branche übernehmen Kurskosten und bieten interne Mentoring-Programme an. Zertifikatskurse bei IHK, HWK oder der TÜV Akademie ermöglichen gezielte Qualifikationen in 6 bis 24 Monaten — ohne ein neues Studium zu beginnen.
Ein einzelner Durchschnittswert hilft hier wenig, weil die Rolle den Unterschied macht. Wir rechnen deshalb mit unseren eigenen Anzeigen: In den 90 Tagen bis zum 26.08.2026 verteilten sich die Energiewende-Stellen auf baito auf 87 verschiedene Berufe. Ein Gehalt nennt allerdings nur eine Minderheit der Anzeigen, board-weit rund 14 % (Woche ab 17.08.2026). Für zwölf Rollen reichten die Angaben für einen Median. Das sind die sechs mit der größten Stichprobe:
Interessanter als der Median ist die Spanne. Projektmanagement ist mit 125 Anzeigen die häufigste Rolle in diesem Ausschnitt, und dort liegen die mittleren 50 % zwischen 63.000 und 96.000 Euro: Was du verhandelst, hängt stärker vom Projekt und vom Arbeitgeber ab als vom Berufsbild. Im Vertrieb ist die Spanne enger, Handelsvertreter:innen für erneuerbare Energien kommen auf 47.750 bis 57.000 Euro.
Zur Einordnung: Der mittlere Bruttojahresverdienst aller Vollzeitbeschäftigten in Deutschland lag 2025 laut Statistischem Bundesamt bei 54.066 Euro einschließlich Sonderzahlungen. Die Rollen oben liegen also überwiegend darüber. Ein Automatismus ist das nicht: Assistenz- und Sachbearbeitungsrollen im selben Ausschnitt bleiben mit Medianen zwischen 35.360 und 39.520 Euro deutlich darunter, und darunter sind auffällig viele Teilzeitstellen: bei der Fachkraft für Projektunterstützung 11 von 37 Anzeigen.
Für die Handwerksberufe weiter oben gibt unser Board keine belastbare Zahl her. Solartechniker:in ist mit 59 Anzeigen im Fenster gut vertreten, aber zu wenige davon nennen ein Gehalt, um daraus einen Median zu bilden. Wer nachsehen will, wie die Werte aktuell stehen: Die Tabelle nach Beruf liegt offen unter Gehälter im Impact-Sektor, und die Tarifwerke des öffentlichen Diensts, nach denen viele Stadtwerke und Kommunen zahlen, findest du unter baitos Tarifübersicht.
Die Branche ist divers. Potenzielle Arbeitgeber:innen reichen von Start-ups und regionalen Handwerksbetrieben bis zu Energieversorgern und Forschungsinstituten:
Installations- und Montagebetriebe — 96 % der Unternehmen im Bauhandwerk haben weniger als 50 Mitarbeitende; Einstieg oft regional und direkt
Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen (EVUs) — oft tarifgebunden, planungssicher
Projektentwickler für Solar- und Windparks
Forschungsinstitute wie das Fraunhofer ISE oder die Deutsche Energie-Agentur (dena)
NGOs und Think-Tanks — z. B. Agora Energiewende oder die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE)
Kommunen und Klimaschutzagenturen — besonders für Klimaschutzmanagement
Aktuelle Jobs in der Energiewende und Nachhaltigkeit findest du auf baito — mit Fokus auf Arbeitgeber mit echtem gesellschaftlichem Impact. Oder lies weiter, was sinnvolle Arbeit für dich bedeuten könnte.
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