Am 27. Juni 2026 hat der Deutsche Wetterdienst in Möckern-Drewitz 41,8 Grad gemessen, den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Gut zwei Wochen später legte die Deutsche Umwelthilfe ihren…
Am 27. Juni 2026 hat der Deutsche Wetterdienst in Möckern-Drewitz 41,8 Grad gemessen, den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Gut zwei Wochen später legte die Deutsche Umwelthilfe ihren Hochwasser-Check vor: 98 von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten tragen ein hohes Risiko, bei einem Jahrhunderthochwasser schwere Schäden zu erleiden. Aus beiden Befunden entsteht dieselbe Arbeit, nämlich Flüsse, Straßen und Gebäude auf ein Klima vorzubereiten, das sich bereits verändert hat. Seit 2024 ist diese Arbeit gesetzlich vorgeschrieben, und genau deshalb steht sie inzwischen als Stellenanzeige im Netz.
Die beiden Felder werden oft in einen Topf geworfen, meinen aber Verschiedenes. Klimaschutz arbeitet an der Ursache: weniger CO2, andere Energie, andere Mobilität. Darum geht es in unserem Artikel zu Green-Tech- und Klimaschutz-Jobs.
Klimaanpassung arbeitet an den Folgen, die ohnehin kommen. Wo darf noch gebaut werden und wo nicht mehr? Wohin läuft das Wasser, wenn ein Starkregen auf eine versiegelte Innenstadt trifft? Wo braucht ein Stadtteil Bäume, Trinkbrunnen und kühle Räume, damit die nächste Hitzewelle nicht wieder in der Sterbestatistik landet? Das Robert Koch-Institut führt allein auf die Junihitze 2026 rund 5.100 Todesfälle zurück; wie diese Schätzung zustande kommt, erklärt das RKI in seinem Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität. Das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos beziffert die Schäden derselben Hitzewelle auf mehr als sechs Milliarden Euro.
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Zum ersten Mal gibt es einen verbindlichen Rahmen für Klimaanpassung bei Bund, Ländern und Kommunen.
Öffentliche Stellen müssen Klimaanpassung in Planungen und Entscheidungen einbeziehen (§ 8 KAnG). Ältere Verfahren sind ausgenommen.
Der Bund legt eine vorsorgende Klimaanpassungsstrategie mit messbaren Zielen vor.
Jedes Bundesland braucht eine eigene Strategie und legt fest, welche Kommunen ein Konzept erstellen müssen.
Ziel des Gesetzes: 80 Prozent der verpflichteten Gemeinden und Landkreise haben bis dahin ein Klimaanpassungskonzept.
Ein Gesetz allein schafft noch keine Stelle. Dazu kommt Geld: Über die Förderrichtlinie Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels fördert das Bundesumweltministerium Personalstellen in Kommunen, betreut vom Projektträger ZUG. Genau daraus ist der Beruf entstanden, den die Ausschreibungen Klimaanpassungsmanager:in nennen.
Diese Rolle koordiniert das Klimaanpassungskonzept einer Stadt oder eines Landkreises und bringt es anschließend in die Umsetzung. Das Zentrum KlimaAnpassung beschreibt die Stelle als Scharnier zwischen den Fachämtern: Tiefbau, Grünflächen, Gesundheitsamt und Stadtplanung arbeiten an derselben Sache, oft ohne voneinander zu wissen. Ein großer Teil des Jobs ist Moderation, Beteiligung und das Schreiben von Förderanträgen.
Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal, bei der 136 Menschen in Rheinland-Pfalz und 49 in Nordrhein-Westfalen starben, hat das Forschungsprojekt KAHR im Februar 2026 zehn Empfehlungen vorgelegt: große Rückhaltebecken, Talsperren auch in den Nebenarmen, mehr Raum für den Fluss. Holger Schüttrumpf, Leiter des Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen, hat dabei einen Satz gesagt, der das Berufsbild ziemlich genau trifft: Für zukunftsfähigen Hochwasserschutz brauche es sowohl raumplanerische als auch wasserbauliche Expertise. Wer beides mitbringt, hydraulische Berechnung und Planungsrecht, ist in dieser Nische selten.
Hier geht es um Entsiegelung, Baumstandorte, Regenwasserbewirtschaftung und die Frage, wie Bestandsquartiere kühler werden, ohne dass jemand sie abreißt. CORRECTIV hat im Juli 2026 15 deutsche Großstädte geprüft; sieben davon hatten keinen eigenen Hitzeaktionsplan, fünf weitere wollen erst 2027 so weit sein. Diese Pläne muss jemand schreiben, und viele Städte fangen damit gerade erst an.
Kommunen, die keine eigene Fachstelle haben, kaufen die Leistung ein. Klimarisikoanalysen, Starkregengefahrenkarten und Konzepte entstehen sehr oft in Ingenieur- und Planungsbüros. Der Weg über ein Büro ist auch die realistischste Route für Berufseinsteiger:innen, weil dort mehr parallel läuft und man in zwei Jahren mehr Projekttypen sieht als in einer Verwaltung.
Wir haben unsere eigene Stellendatenbank ausgewertet, konkret das Cluster rund um Umweltingenieur:in und Klimatolog:in. In den letzten 90 Tagen liegen dort 91 Stellen, 23 davon waren zum Stichtag noch online. Die Verteilung der Arbeitgeber ist der interessanteste Teil.
Die öffentliche Hand ist der größte einzelne Arbeitgeber, aber sie stellt weniger als ein Drittel der Ausschreibungen. Wer nur auf die Karriereseite der eigenen Stadt schaut, übersieht den Rest: Planungsbüros, Beratungen, Umweltverbände und Forschungsinstitute suchen zusammengenommen deutlich mehr Leute als die Kommunen selbst. Regional ballt sich das Angebot in Berlin (21 der 91 Stellen), Hamburg (13) und München (6). Das sagt allerdings mehr über die Standorte von Ministerien, Verbänden und Planungsbüros aus als über den tatsächlichen Bedarf, der eher in den 98 Landkreisen mit hohem Hochwasserrisiko liegt.
Bei den Erfahrungsstufen dominiert die Mitte: 43 Ausschreibungen suchen Mid-Level, 15 Senior, 13 Junior, 7 Berufseinstieg. Klassische Einstiegsstellen sind also da, aber sie sind nicht die Regel.
brutto im Jahr, 11 Stellen mit Angabe
p25 derselben Stichprobe
amtlicher Vergleichswert, bundesweit
Die Zahl steht auf schmaler Basis, das gehört dazu gesagt: Nur 11 der 91 Stellen nennen überhaupt ein Gehalt. Beruhigend ist, dass unser Median fast exakt auf dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt, der auf einer viel größeren amtlichen Grundlage rechnet. Das obere Viertel unserer Stichprobe beginnt bei 74.331 Euro.
Aussagekräftiger als eine Gehaltszahl ist ohnehin der Tarifvertrag. 20 der 91 Ausschreibungen nennen einen, meistens den TV-L (11 Nennungen), seltener den TVöD. Wenn in einer Anzeige "Entgeltgruppe 12 TV-L" steht, weißt du mehr über dein Geld als bei jeder Spanne, und zwar bis auf die Stufe genau. Die Tabellen findest du in unserer Tarifübersicht, und mit dem TVöD-Rechner kannst du dir das Netto direkt ausrechnen.
Von den 88 Stellen mit Angabe zum Arbeitsort sind 49 reine Präsenzstellen, 35 hybrid und ganze 4 komplett remote. Ein Starkregengefahrenkonzept für Gelsenkirchen lässt sich eben nicht aus Lissabon schreiben, weil die halbe Arbeit aus Ortsterminen, Ausschusssitzungen und Gesprächen mit Anwohner:innen besteht. Im Vergleich zum Gesamtmarkt ist das trotzdem kein Ausreißer, wie unsere Datenauswertung zum Remote-Anteil bei Impact-Jobs zeigt. Wer Klimaanpassung machen will, sollte sich auf eine Region festlegen können.
Das Zentrum KlimaAnpassung nennt als Grundlage ein abgeschlossenes Studium ab Bachelor in Bau-, Raum- oder Ingenieurwissenschaften oder in einem Umweltfach wie Umweltwissenschaften und Geografie. Gleichwertig genannt wird dort aber auch ein Studium in Öffentlichkeitsarbeit oder Kommunikationswissenschaften, und das beschreibt den Job ziemlich genau. Ein Klimaanpassungskonzept scheitert selten an der Hydraulik und oft daran, dass ein Bauausschuss nicht mitgeht.
Für den Quereinstieg heißt das: Projekterfahrung, Verwaltungsverständnis und Moderationsfähigkeit sind echte Argumente. Kommst du aus Umweltbildung, Verbandsarbeit oder kommunaler Beteiligung, fehlt dir meist nur das Fachvokabular, und dafür gibt es Angebote. Das Zentrum KlimaAnpassung bietet mehrtägige Trainings und ein Mentoring-Programm für Menschen, die schon in der Rolle sind. Wenn du breiter suchst, lohnt auch ein Blick auf angrenzende Rollen im Nachhaltigkeitsmanagement.
Bei der Befristung lohnt der zweite Blick. Viele kommunale Stellen hängen an einer Förderperiode und laufen zwei bis drei Jahre. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber es gehört ins Vorstellungsgespräch: Frag, ob eine Verstetigung geplant ist und wer sie am Ende beschließt.
Der zweite Punkt ist die Ausstattung. Betül Türkeri vom Deutschen Institut für Urbanistik hat gegenüber CORRECTIV beschrieben, woran Hitzeaktionspläne in der Praxis hängen: am Engagement Einzelner, weil Kommunen die finanzielle und personelle Ausstattung fehlt. Das ist eine Warnung an alle, die als einzige Person für ein Querschnittsthema zuständig sein sollen. Wie eng es in vielen Haushalten inzwischen ist, haben wir im Artikel Kommunen am Limit aufgeschrieben. Frag im Gespräch konkret, wer sonst noch am Thema arbeitet und welches Budget hinter dem Konzept steht.
Die Größenordnung, um die es geht, lässt sich an einem einzigen Tal ablesen: Bis zum 1. Juni 2026 sind für den Wiederaufbau im Ahrtal rund 3,7 Milliarden Euro von Bund und Land geflossen. Ein Teil dieses Geldes wäre als Vorsorge deutlich günstiger gewesen, und Vorsorge ist genau das, was in diesen Stellen ausgeschrieben wird.
Offene Stellen in dem Feld findest du in unserer Jobsuche, die Arbeitgeber dahinter in der Organisationsübersicht.

NRW.Energy4Climate

ATLAS TITAN GmbH

NRW.Energy4Climate

WIGES Wasserbauliche Infrastrukturgesellschaft mbH

NABU (Naturschutzbund Deutschland) e. V.

Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH