"Sehr geehrte Damen und Herren" steht noch in den meisten Bewerbungsvorlagen, aber immer mehr Personalverantwortliche lesen daraus vor allem eins heraus: dass die Bewerbung ungezielt verschickt…
„Sehr geehrte Damen und Herren“ steht noch in den meisten Bewerbungsvorlagen, aber immer mehr Personalverantwortliche lesen daraus vor allem eins heraus: dass die Bewerbung ungezielt verschickt wurde. Gerade im NGO- und Impact-Sektor, wo viele Teams locker miteinander umgehen, wirkt die steife Anrede oft wie ein Stilbruch. Hier erfährst du, wie du die richtige Ansprechperson findest, welche Anreden auch ohne Namen persönlich wirken und wie du geschlechtsneutral formulierst, wenn du unsicher bist.
Die Anrede war jahrzehntelang der sichere Standard für jede Bewerbung. Mittlerweile gilt sie vielen Personalverantwortlichen als unpersönlich und distanziert, weil sie oft signalisiert, dass die Bewerbung als Massenversand ohne Recherche verschickt wurde.
Ein zweites Problem kommt dazu: „Sehr geehrte Damen und Herren“ spricht nur zwei Geschlechter an und schließt Menschen aus, die sich keinem oder beiden zugehörig fühlen. Wer in einem sozialen oder gemeinnützigen Umfeld arbeiten möchte, in dem Diversität oft explizit zur Organisationskultur gehört, kann das im Anschreiben schon spüren lassen, lange bevor das erste Gespräch stattfindet.
Auch die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt in ihrem offiziellen Bewerbungsratgeber, wenn möglich den Namen der Ansprechperson zu recherchieren, weil eine persönliche Anrede zeigt, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast. arbeitsagentur.de/bildung/bewerbung/anschreiben
Bevor du zur allgemeinen Anrede greifst, lohnt sich ein kurzer Rechercheweg. Vier Ansatzpunkte lassen sich in wenigen Minuten abklappern, und meistens reicht schon der erste.
Der Name steht manchmal im Kleingedruckten am Ende der Anzeige.
Viele Organisationen nennen ihr HR-Team auf der Website namentlich.
Recruiter:innen und Personalverantwortliche pflegen dort oft ein aktuelles Profil.
Ein kurzer, freundlicher Anruf klärt die Frage meist sofort.
Findest du wirklich niemanden, ist „Sehr geehrte Damen und Herren“ laut Bundesagentur für Arbeit immer noch in Ordnung, gerade bei größeren Organisationen mit anonymem Bewerbungsprozess. Sie sollte nur nicht die erste Option sein, sondern die letzte.
Wenn die Recherche nichts ergibt, musst du nicht auf die alte Standardformel zurückfallen. „Liebes Team“, „Hallo Team!“ oder „Sehr geehrte Mitarbeitende“ sind geschlechtsneutrale Varianten, die trotzdem wärmer wirken als die Damen-und-Herren-Formel. Bei kleineren Organisationen oder Sozialunternehmen funktioniert oft auch ein einfaches „Guten Tag“ gut, weil es formell genug bleibt, ohne steif zu klingen.
Kennst du zumindest die Abteilung, adressierst du direkt dorthin, etwa mit „Liebes Recruiting-Team“ oder „Sehr geehrtes Team der Personalabteilung“. Das zeigt, dass du die Stellenanzeige aufmerksam gelesen hast, auch ohne einen konkreten Namen zu nennen.
Bist du dir beim Geschlecht der Ansprechperson nicht sicher, oder weißt du, dass sich die Person divers versteht, gibt es klare Alternativen zur klassischen Herr-oder-Frau-Anrede. Der Ratgeber WorkingOffice empfiehlt, in solchen Fällen einfach Vor- und Nachnamen ohne Anrede zu verwenden, etwa „Guten Tag Kim Köhler“ statt „Sehr geehrte Frau Köhler“. workingoffice.de/korrespondenz/anreden/anrede-divers Soll es formeller bleiben, funktioniert auch die Variante mit Genderstern: „Sehr geehrte*r Kim Köhler“.
Am sichersten ist es, direkt zu fragen, wenn sich dazu eine Gelegenheit ergibt, etwa in einem vorherigen Telefonat. Für ein Anschreiben, bei dem das nicht möglich ist, bleibt der Vor- und Nachname ohne Anrede meist der unauffälligste Weg.
In vielen NGOs, Sozialunternehmen und jungen Organisationen ist das Du im Arbeitsalltag längst selbstverständlich, auch über Hierarchiestufen hinweg. Du merkst das meistens schon an der Stellenanzeige: Wo eine Organisation ihre künftigen Kolleg:innen duzt, tut sie das im Bewerbungsprozess in der Regel weiter. Umgekehrt bleiben Träger mit öffentlicher Anbindung, etwa Kommunen oder Einrichtungen im Tarifgefüge des öffentlichen Dienstes, häufiger beim Sie.
Für dein Anschreiben heißt das nicht automatisch, dass du duzen solltest. Orientiere dich an der Stellenanzeige selbst: Spricht die Organisation dich dort schon mit Du an, darfst du das im Anschreiben spiegeln. Bleibt die Anzeige förmlich, bleibst du es im ersten Kontakt ebenfalls, auch wenn im Team später vielleicht längst geduzt wird.
Eine gute Anrede öffnet die Tür, den Rest der Bewerbung musst du trotzdem selbst überzeugen. Suchst du noch nach der passenden Richtung, bevor du überhaupt ein Anschreiben aufsetzt, hilft dir unser Ikigai-Test dabei, deinen eigenen Job mit Sinn einzugrenzen. Weißt du schon, wohin es gehen soll: Auf baito findest du aktuelle Stellen im Impact-Sektor, viele davon bei NGOs und gemeinnützigen Organisationen, die im Arbeitsalltag ohnehin das Du pflegen.
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