Der Bundesverband Impact Investing hat am 18. Juni 2026 seinen German Impact Investing Survey 2025 veröffentlicht: 142 Häuser, rund 12,5 Milliarden Euro, mehr als 70 % erwarten marktübliche Renditen. Wir haben die Studie neben unsere 4.072 Live-Anzeigen gelegt. Der Begriff „Impact Investing“ steht in genau zweien davon. Wo die Jobs stattdessen ausgeschrieben werden.

Am 18. Juni 2026 hat der Bundesverband Impact Investing seinen German Impact Investing Survey 2025 vorgelegt: 48 Seiten über ein Marktsegment, das in Deutschland lange als Nische galt. 142 Häuser haben geantwortet, zusammen rund 12,5 Milliarden Euro, die erklärtermaßen auf Wirkung investiert werden. Wir haben die Studie neben unser eigenes Board gelegt und nachgesehen, welche Stellen daraus eigentlich entstehen. Der Begriff „Impact Investing“ steht in genau zwei von 4.072 Live-Anzeigen. Die Arbeit gibt es trotzdem. Sie heißt nur anders.
Der German Impact Investing Survey 2025 ist eine Befragung, keine Marktzählung. Geantwortet haben 142 Akteure aus dem deutschen Ökosystem: Asset Manager, Asset Owner wie Family Offices, vermögende Privatpersonen und Stiftungen, dazu Anlageberatung und Sozialunternehmen. Herausgeber ist der Bundesverband Impact Investing, der bis 2025 Bundesinitiative hieß und nach eigenen Angaben über 130 Akteur:innen aus Kapitalmarkt, Politik und Realwirtschaft vertritt. Die Bertelsmann Stiftung hat die Befragung mitfinanziert und veröffentlicht sie.
Die Teilnehmenden berichten rund 12,5 Milliarden Euro Impact AuM, etwa 0,85 % der insgesamt gemeldeten Assets. Größte Anlageklasse ist Private Equity mit 28 %, danach folgen Venture Capital, Private Debt und Infrastruktur.
Die Studie benennt ihre eigene Grenze deutlich: große institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherer sowie Entwicklungsbanken sind in der Stichprobe unterrepräsentiert, die tatsächlichen Impact-Investitionen in Deutschland dürften höher liegen. Wer die 12,5 Milliarden als Marktgröße zitiert, zitiert die Studie falsch. Sie sagt, was 142 Häuser über sich selbst berichtet haben, nicht, wie groß der Markt ist.
Der interessanteste Befund steckt nicht im Volumen, sondern in der Erwartungshaltung. Mehr als 70 % der befragten Investoren rechnen mit marktüblichen Renditen oder mehr. 64 % erreichen oder übertreffen ihre finanziellen Ziele, 79 % ihre Wirkungsziele. Zwei Drittel wollen ihre Impact-Allokation in den kommenden fünf Jahren erhöhen.
Damit ist die alte Frage, ob man für Wirkung auf Rendite verzichten muss, in diesem Teil des Marktes beantwortet. Sie wird nur noch von denen gestellt, die nicht dabei sind. Was Impact überhaupt heißt und wie er sich von Nachhaltigkeit, ESG und Purpose unterscheidet, haben wir im baito Impact Wörterbuch sortiert.
Gefragt nach dem, was das Wachstum bremst, nennen die Teilnehmenden drei Dinge: fehlende Standardisierung in der Wirkungsmessung (Impact Measurement and Management, kurz IMM), zu wenig belastbare Impact-Daten und regulatorische Unsicherheit. Bei Häusern, die noch gar nicht investieren, kommt etwas anderes dazu: Mehr als die Hälfte hält die unklare Definition von Impact Investing für ein erhebliches Hindernis, überhaupt einzusteigen.
Wer schon dabei ist, misst mehrheitlich. Wie tief, zeigt Abbildung 13 der Studie (PDF, 48 Seiten), und der Abstand zwischen oben und unten ist der eigentliche Befund:
| IMM-Aktivität | Anteil der Häuser, die systematisch messen |
|---|---|
| Strategische Wirkungsziele definieren (inkl. Wirkungslogik) | 90 % |
| Wirkung laufend beobachten | 85 % |
| Öffentlich über Ansatz und Wirkung berichten | 70 % |
| Endbegünstigte einbeziehen | 53 % |
| Eigenen Beitrag zur Wirkung messen | 40 % |
| IMM-System unabhängig prüfen lassen | 30 % |
German Impact Investing Survey 2025, Abbildung 13 (n = 40, Mehrfachnennung möglich).
Ziele setzen fast alle. Nachweisen, dass man selbst den Unterschied gemacht hat, können 40 %. Die Studie erklärt die niedrige Beteiligung von Endbegünstigten mit fehlenden internen Ressourcen. Interne Ressourcen sind Leute, die das machen. Also haben wir nachgesehen, ob jemand sie sucht.
Am 21. August 2026 standen 4.072 Anzeigen live auf baito. Wir haben sie im Volltext nach dem Vokabular durchsucht, das die Studie benutzt.
Neun Anzeigen erwähnen Wirkungsmessung, und in keiner einzigen steht sie im Titel. Sie taucht als Nebensatz auf, in einer Bereichsleitung Sprachenbildung, in einer Referentenstelle beim Helmholtz-Zentrum, in einer Projektleitung für kommunale Klimaanpassung. „Verantwortungseigentum“ und „Steward-Ownership“, also die Eigentumsdebatte, die den Sektor gerade beschäftigt, kommen in null Anzeigen vor.
Zum Vergleich steht in derselben Suche 209-mal Fundraising, Fördermittel oder Drittmittel, 31-mal davon im Stellentitel. Das klassische Geldeinwerben ist ein Beruf mit Namen, eigenen Ausschreibungen und einem Arbeitsmarkt. Die Wirkungsmessung, die dasselbe Geld künftig rechtfertigen soll, ist es noch nicht.
Das heißt nicht, dass es keine gibt. Es heißt, dass sie unter älteren Bezeichnungen ausgeschrieben werden. Vier Ecken, alle mit offenen Stellen am 21. August 2026:
Stiftungen mit eigenem Anlageteam. Die Hasso Plattner Foundation sucht gleich mehrfach im Investmentbereich, vom Analyst Program bis zur Senior-Ebene. Die Hoffnungsträger Stiftung schreibt eine Investment-Officer-Stelle in Teilzeit aus. Wer eine große Stiftung nur als Fördermittelgeber kennt, unterschätzt, dass sie ihr Vermögen selbst anlegt.
Werteorientierte Banken und Fonds. Die GLS Bank sucht im sozial-ökologischen Research, der KENFO, also der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, eine Person für Sustainable Investing, Saxovent einen Investment Manager für erneuerbare Energien. Bei Inyova ist eine der zwei Anzeigen zu finden, in denen „Impact Investing“ überhaupt steht, und zwar in einer Stelle für Kreditanalyse.
Wirkungsmessung in gemeinnützigen Organisationen. Hier heißen die Rollen Evaluation, Qualitätsmanagement oder Wirkungsmanagement. EDUCATION Y sucht eine Wirkungsmanagerin, medica mondiale eine Referentin für Evaluation und Wirkungsorientierung. Das sind die Stellen, die den Nachweis erbringen, auf den die Investorenseite wartet.
Impact-Daten als Software. Der Datenmangel, den die Studie beklagt, ist anderswo ein Produkt. Tanso und carbmee bauen Software für Nachhaltigkeitsdaten in Lieferketten und suchen dafür Engineering- und Analytics-Rollen, evercity sucht auf der Finanzierungsseite eine Person für Sustainable Investment. Wer aus der Softwareentwicklung oder aus Data kommt, braucht für den Einstieg hier keine Umschulung, sondern muss sich in eine neue Domäne einlesen.
Die praktische Konsequenz aus alldem ist unspektakulär und hilft trotzdem: Tipp nicht „Impact Investing“ in die Suche. Der Begriff ist im deutschen Stellenmarkt noch keiner. Diese Suchbegriffe liefern dagegen etwas:
| Suchbegriff auf baito | Treffer am 21.08.2026 | Direkt zur Liste |
|---|---|---|
| Fördermittelmanagement | 183 | Fördermittelmanager:in |
| Fundraising | 86 | Fundraiser:in |
| ESG-Analyst:in | 54 | ESG-Analyst:in |
| Investment Manager | 33 | alle Stellen |
Trefferzahlen der baito-Suche, Stand 21.08.2026. Die vier Suchen überschneiden sich, die Zahlen lassen sich nicht addieren.
Dazu lohnen sich Begriffe, die in keiner Jobbezeichnung stehen, aber in den Anzeigentexten: Wirkungsorientierung, Monitoring und Evaluation, Theory of Change, Sustainable Investing. Wenn du breiter schauen willst, sind der NGO-Bereich und das Nachhaltigkeitsmanagement die beiden Cluster, in denen diese Rollen bei uns landen, und über die Organisationen kommst du direkt zu den Arbeitgebern aus den vier Ecken oben.
Eine Einordnung zum Schluss, die in der Studie nicht steht: Ein Feld, das seine Stellen noch nicht benennen kann, ist für Quereinsteigende leichter zu betreten als eines mit festem Berufsbild. Einen Standardlebenslauf für Wirkungsmessung gibt es nicht: Die neun Anzeigen, die den Begriff überhaupt nennen, verteilen sich auf neun verschiedene Organisationen und auf ebenso viele Berufsbilder, von der Bereichsleitung bis zur Ingenieurstelle. Wer aus Evaluation, Controlling, Fördermittelverwaltung oder Data kommt, bringt einen Teil davon schon mit. Woher das Geld im Sektor kommt und wie schnell sich das ändern kann, haben wir am Beispiel des Entwicklungshaushalts in BMZ-Kürzungen 2027 aufgeschrieben.
Foto: Sable Flow auf Unsplash
AnalyseIn fünf Wochen wurden auf baito 6.288 Stellen neu ausgeschrieben. 597 davon sind Einstiegsstellen, 523 sind Führungsstellen. Die Klage über fehlende Einstiegsjobs stimmt also. Nur steht daneben eine zweite Zahl: 1.517 Junior-Stellen. Was das für deinen Filter heißt, und warum von 200 Einstiegs-Anzeigen nur 25 eine reine Vollzeitstelle sind.
AnalyseAuf baito wird aus 2,66 Prozent der Job-Aufrufe ein Klick auf „Jetzt bewerben“, gemessen über 71.451 Aufrufe und 878 Rollen in 30 Tagen. Zwischen den Rollen liegt gut Faktor fünf, und die meistgesehene Rolle bleibt unter dem Schnitt. Was das für eure Anzeige heißt, und was es für deine Bewerbung heißt.
Der Haushaltsentwurf 2027 kürzt den BMZ-Etat zum fünften Mal in Folge, auf 9,47 Milliarden Euro. Für deine Bewerbung entscheidet aber nicht die Gesamtzahl, sondern einzelne Haushaltstitel und eine zweite Zahl, die kaum jemand liest: die Verpflichtungsermächtigungen. Was davon jetzt schon in den Stellenanzeigen steht.
Für Arbeitgebende
Zeig deine Anzeige Menschen, die gezielt Jobs mit Sinn suchen.

Fairtrade International e.V.

Germanwatch

Geko - Stadtteil-Gesundheits-Zentrum Neukölln

Aktion gegen den Hunger gGmbH

Deutscher Behindertensportverband und Nationales Paralympisches Komitee (DBS) e.V.

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