Wer in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit arbeiten will, hört oft zuerst von den Hürden: wenige offene Stellen, viel Konkurrenz, unklare Wege hinein. Dabei gibt es in Deutschland ein…

Wer in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit arbeiten will, hört oft zuerst von den Hürden: wenige offene Stellen, viel Konkurrenz, unklare Wege hinein. Dabei gibt es in Deutschland ein ganzes Ökosystem an Arbeitgebern, von der bundeseigenen GIZ über kirchliche Werke bis zu spezialisierten Nothilfe-Organisationen, und mehrere reale Wege dorthin. Dieser Ratgeber zeigt, wer einstellt, welche Rollen es gibt, wie der Einstieg gelingt und was du realistisch verdienen kannst.
Der Begriff fasst mehrere sehr unterschiedliche Arbeitsfelder zusammen. Die staatliche, bilaterale EZ läuft meist über die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und setzt Regierungsprojekte um, etwa in der Berufsbildung, der Wasserversorgung oder der Klimaanpassung. Daneben steht die zivilgesellschaftliche EZ: kirchliche Werke und private Hilfsorganisationen, die eigene Programme mit Partnerorganisationen im Globalen Süden umsetzen, oft über Projektmittel von BMZ, Auswärtigem Amt oder EU. Eng verwandt, aber ein eigenes Berufsfeld: humanitäre Hilfe beziehungsweise Nothilfe, also die kurzfristige Unterstützung nach Katastrophen und in Krisen. Wer speziell bei UN-Organisationen einsteigen will, findet dort andere Bewerbungswege als bei einer deutschen NGO. Dieser Artikel konzentriert sich auf GIZ, kirchliche Werke und NGOs in Deutschland.
Die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) ist der größte einzelne Arbeitgeber im Feld. Sie ist eine bundeseigene Gesellschaft mit rund 23.800 Mitarbeitenden in fast 120 Ländern und einem Geschäftsvolumen von etwa 4 Milliarden Euro im Jahr 2025. Zwei Drittel der Belegschaft arbeiten lokal in den Partnerländern statt in Deutschland. Daneben sind kirchliche Werke wichtige Arbeitgeber: Misereor (katholisch) arbeitet laut eigenem Jahresbericht mit mehr als 1.700 Partnerorganisationen in 83 Ländern, Brot für die Welt (evangelisch) ist nach eigenen Angaben in über 80 Ländern aktiv. Bei den privaten Trägern reicht die Bandbreite von großen Organisationen wie der Welthungerhilfe, terre des hommes, CARE Deutschland, Oxfam Deutschland oder Kindernothilfe bis zu kleineren, spezialisierten Trägern für akute Nothilfe wie dem Berliner Verein Cadus. Der Dachverband
RatgeberDer Verkehr ist der Bereich, in dem Deutschlands Klimabilanz seit Jahrzehnten steht. 1990 stammten 13,1 Prozent der deutschen Treibhausgase aus dem Verkehr, 2024 waren es etwa 22,3 Prozent. Der…
RatgeberAuf baitos Board standen am 21. August 2026 4.047 Stellen. Genau 94 davon nennen ein geisteswissenschaftliches Fach in der Qualifikationsangabe, drei im Stellentitel. Die Rollen, die…
RatgeberDie Windenergie beschäftigt in Deutschland mehr Menschen als jede andere erneuerbare Technologie. Trotzdem denken die meisten beim Stichwort Windkraft-Job an genau eine Rolle: jemand, der bei Wind…
Wer sich EZ als reine Auslandsarbeit vorstellt, unterschätzt, wie viele Rollen es auch in den deutschen Zentralen gibt. Auf baito tauchen aus diesem Feld regelmäßig zwei große Gruppen von Stellen auf. Die eine dreht sich ums Geld und die Anträge dahinter: Projektkoordination und Grantmanagement, die Fördermittel von BMZ oder EU beantragen und abrechnen, dazu Referent:innen für institutionelle Partnerschaften, die genau diese Anträge bei Ministerien vorbereiten. Die andere ist inhaltlicher und operativer geprägt, von Fachreferent:innen für Themen wie Ernährungssicherheit, Wasser oder Bildung bis zu Nothilfe-Projektmanagement, das im Krisenfall schnell Teams und Logistik organisiert. Dazu kommen Verwaltungsrollen wie die Personalsachbearbeitung für Auslandsmitarbeitende, die im Hintergrund dafür sorgt, dass entsandte Fachkräfte überhaupt arbeiten können, oft unterschätzt, aber ohne sie läuft kein Auslandseinsatz.
Die GIZ bietet ein eigenes EZ-Traineeprogramm des BMZ: 17 Monate in drei Phasen, ein Monat Einarbeitung in Deutschland, dann acht Monate in einem technischen Kooperationsprojekt in einem Partnerland und drei weitere Monate in einem Partnerland oder in der Zentrale einer anderen deutschen oder internationalen EZ-Organisation, zum Schluss fünf Monate beim BMZ in Bonn oder Berlin. Vorausgesetzt werden ein Master oder vergleichbarer Abschluss, verhandlungssicheres Deutsch und Englisch sowie erste Erfahrung in internationaler Zusammenarbeit, etwa durch Praktika. Beworben wird sich einmal jährlich, das Programm richtet sich an Berufseinsteiger:innen ohne Altersgrenze. Wie selten ein ausgeschriebenes Traineeprogramm im Impact-Sektor sonst ist, haben wir für unser eigenes Board nachgezählt.
Viele EZ-Stellen suchen keine EZ-Studierten, sondern Fachkräfte mit Berufserfahrung: Agrarwissenschaftler:innen, Ingenieur:innen, Ärzt:innen, Wasserwirtschaftler:innen oder Verwaltungsfachkräfte, die ihre Expertise international einbringen. Entscheidend sind dabei weniger der Studiengang als Auslandserfahrung, Sprachen und die Bereitschaft, sich in ein neues Umfeld einzuarbeiten.
Ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst wie weltwärts oder ein Einsatz als Entwicklungshelfer:in nach dem Entwicklungshelfergesetz ist oft der erste echte Fuß in der Tür, auch wenn die Bedingungen sich deutlich von einer Festanstellung unterscheiden.
Wer als Entwicklungshelfer:in nach dem EhfG entsandt wird, arbeitet formal ehrenamtlich und erhält statt Gehalt einen monatlichen Unterhalt von rund 1.000 Euro netto. Genau diese Einsätze zählen bei späteren Bewerbungen auf Festanstellungen aber oft mehr als ein Zusatzpraktikum, weil sie echte Auslands- und Projekterfahrung belegen.
Ein spezifisches EZ-Studium ist keine Voraussetzung. Politik- und Sozialwissenschaften, VWL, Agrarwissenschaften, Ingenieurwesen oder Gesundheitswissenschaften sind alle vertreten, oft ergänzt durch einen fachnahen Master. Was fast überall zählt: verhandlungssicheres Englisch, bei deutschen Trägern zusätzlich fließendes Deutsch, und je nach Einsatzregion Französisch für frankophones Afrika oder Spanisch für Lateinamerika. Auslandserfahrung, und sei es nur ein längeres Praktikum oder Studiensemester, wird in fast jeder Stellenausschreibung vorausgesetzt.
Verlässliche Gehaltsdaten sind in diesem eng abgegrenzten Feld selten. Ein ehrlicherer Blick lohnt sich deshalb direkt in aktuelle Stellenangebote statt in pauschale Durchschnittswerte. Diese Beispiele aus dem aktuellen baito-Stellenmarkt zeigen die Bandbreite:
Cadus, Berlin
Talents4Good, Berlin
Submariner Network, Berlin
Die Spannen wachsen erkennbar mit Verantwortung und Erfahrung. Wer über einen Freiwilligendienst oder eine Entwicklungshelfer:innen-Stelle einsteigt, sollte mit dem oben genannten Unterhalt statt einem Gehalt rechnen. Das ist in diesem Bereich üblich und kein Zeichen für einen schlechten Arbeitgeber.
Der Zeitpunkt für einen EZ-Einstieg ist paradox. Der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 sieht für das BMZ rund 9,47 Milliarden Euro vor, rund 586,6 Millionen Euro weniger als 2026 (10,06 Milliarden Euro). Der Etat sinkt damit weiter, und VENRO beschreibt das als Fortsetzung eines Trends. Für humanitäre Hilfe sind demnach nur noch rund eine Milliarde Euro eingeplant, halb so viel wie 2024. Mehrere EZ-Organisationen bauen deshalb aktuell Stellen ab. Gleichzeitig bleibt der weltweite Bedarf hoch. VENRO selbst spricht von einem massiv unterfinanzierten internationalen Hilfssystem. Für Einsteiger:innen heißt das: Stellen sind knapper, aber wer die Wege ins Feld kennt und beim Trägertyp flexibel bleibt, findet trotzdem Zugang. Welche Haushaltstitel dabei wirklich zählen und was davon schon in den Stellenanzeigen steht, steht ausführlich in unserer Analyse zu den BMZ-Kürzungen. Ein zweiter Weg ins internationale Feld führt über die UN-Organisationen in Deutschland, die nach eigenen Regeln einstellen.
Wenn du selbst auf der Suche bist, lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Stellen bei NGOs und gemeinnützigen Organisationen auf baito, dazu die Übersicht der Organisationen, wenn du bei einem bestimmten Träger anfangen willst. Und falls dir noch nicht klar ist, welche Rolle wirklich zu dir passt: Unser Ratgeber, wie du einen Job mit Sinn findest, hilft beim Einordnen, bevor du dich auf ein bestimmtes Berufsfeld festlegst.
Foto: Christina @ wocintechchat.com M auf Unsplash
Für Arbeitgebende
Zeig deine Anzeige Menschen, die gezielt Jobs mit Sinn suchen.

Deutsches Rotes Kreuz (DRK) – Generalsekretariat

Neue Stiftung

Aktion gegen den Hunger gGmbH

Geko - Stadtteil-Gesundheits-Zentrum Neukölln

Deutsches Rotes Kreuz (DRK) – Generalsekretariat

Caritas International