Auf baitos Board standen am 21. August 2026 4.047 Stellen. Genau 94 davon nennen ein geisteswissenschaftliches Fach in der Qualifikationsangabe, drei im Stellentitel. Die Rollen, die…

Auf baitos Board standen am 21. August 2026 4.047 Stellen. Genau 94 davon nennen ein geisteswissenschaftliches Fach in der Qualifikationsangabe, drei im Stellentitel. Die Rollen, die Geisteswissenschaftler:innen einstellen, sind trotzdem da: 179 Anzeigen suchen Projekt- oder Programmmanagement, 157 Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, 129 eine Referentin oder einen Referenten. Sie tragen nur nicht den Namen deines Studiums.
Wir haben alle 4.047 Anzeigen durchsucht, die an diesem Tag live waren, und nachgezählt, wo Germanistik, Geschichte, Philosophie, Kulturwissenschaft, Ethnologie, Theologie oder der Sammelbegriff „Geisteswissenschaften“ überhaupt vorkommen. 94 Anzeigen nennen eines dieser Fächer, das sind 2,3 Prozent. Im Stellentitel stehen sie dreimal, und selbst diese drei sind kein Gegenbeweis: zweimal ist „Philosophische Fakultät“ der Name des Arbeitgebers, einmal geht es um eine studentische Hilfskraft.
Das Fach ist schlicht nicht das Ordnungsprinzip dieses Stellenmarkts. Arbeitgeber besetzen eine Aufgabe und benennen die Anzeige danach. Wer „Geisteswissenschaftler“ in ein Suchfeld tippt, sucht also nach einem Wort, das in Ausschreibungen kaum vorkommt.
| Fach in der Qualifikationsangabe | Anzeigen |
|---|---|
| Medien-, Kommunikationswissenschaft, Publizistik | 30 |
| Kulturwissenschaft, Kulturmanagement | 17 |
| „Geisteswissenschaften“ als Sammelbegriff | 13 |
| Germanistik, Sprach- und Literaturwissenschaft | 12 |
| Geschichte und Kunstgeschichte | 8 |
| Philosophie | 5 |
| Ethnologie und Regionalwissenschaften | 5 |
| Theologie und Religionswissenschaft | 4 |
Gezählt haben wir nur Treffer im Umfeld einer Studien-, Abschluss- oder Qualifikationsangabe. Ohne diese Einschränkung zählt jede Anzeige mit, die von der Philosophie des Hauses spricht.
Die Bundesagentur für Arbeit misst denselben Effekt von der anderen Seite und benennt ihn deutlicher, als man es erwarten würde. In ihrem Bericht zum Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker steht: „Dank der Aufgeschlossenheit gegenüber fachfremden Tätigkeitsfeldern verzeichnen Erwerbspersonen mit einem Abschluss der Geisteswissenschaften eine studienfachspezifische Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent“, in den Politikwissenschaften 3,8 Prozent und in Geschichte und Archäologie 4,4 Prozent. Rechnet man dagegen berufsspezifisch, zählt also nur die Menschen, die tatsächlich in einem geistes- oder gesellschaftswissenschaftlichen Beruf arbeiten, liegt die Quote bei 6,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Akademiker-Arbeitslosenquote insgesamt stieg 2025 auf 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im Jahr davor.
Der Abstand zwischen 4,7 und 6,5 Prozent ist der ganze Artikel in einer Zahl. Wer sein Fach als Berufsbild versteht, hat es schwerer als jemand, der es als Werkzeugkasten mitbringt.
Zur Größenordnung: 2023 haben sich knapp 49.500 Menschen im ersten Hochschulsemester für ein geisteswissenschaftliches Fach eingeschrieben, 2003 waren es gut 63.500. Das ist ein Rückgang um 22 Prozent in 20 Jahren, und der Anteil an allen Erstimmatrikulierten fiel von 17 auf gut 10 Prozent. Der Jahrgang, um den es hier geht, ist also kleiner geworden, während die passenden Stellen weiterhin nach der Aufgabe benannt sind.
Statt nach dem Fach haben wir nach den Rollen gezählt, und zwar im Stellentitel, weil das die Zeile ist, die du in der Suche liest.
Kommunikation, Presse und Öffentlichkeitsarbeit ist die Rollenfamilie, in der die Fächer am häufigsten ausdrücklich genannt werden: 29 der 94 Treffer liegen hier. Der BUND-Landesverband Niedersachsen sucht eine Pressesprecherin und will „Studium, Ausbildung oder praktische Erfahrung im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikations- und Medienwissenschaft oder Vergleichbares“. Bei der Leibniz-Gemeinschaft ist es eine „Leitung Kommunikation / Pressesprecher:in“ in Vollzeit, mit Kommunikationswissenschaft, Journalismus oder Medienwissenschaft als Voraussetzung, also eine Leitungsfunktion und keine Einstiegsstelle.
Projekt- und Programmmanagement ist mit 179 Anzeigen die größte Familie und zugleich die, in der dein Fach am seltensten drinsteht. Das Forum Bildung Digitalisierung sucht ein „(Senior) Projektmanagement Digital Leadership“ und lässt „Bildungswissenschaften, Sozial-, Politik-, Kulturwissenschaften, im Lehramt oder einer vergleichbaren Fachrichtung“ gelten. Wer nur nach seinem Fach filtert, sieht diese Anzeige nie.
Referent:in ist der Titel, den der gemeinnützige Sektor für alles vergibt, was fachlich arbeitet, ohne zu führen: 129 Anzeigen. Das Entwicklungspolitische Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz sucht eine „Referent*in für Globales Lernen“ und nennt Ethnologie ausdrücklich als passendes Fach. Bei CLAIM, der Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit, heißt die Stelle „Referent*in Qualifizierung“.
Fundraising und Fördermittel ist mit 39 Anzeigen kleiner, aber es ist die Rolle, in der ein geisteswissenschaftlicher Abschluss am direktesten akzeptiert wird. Plan International Deutschland sucht eine Nachlass- und Großspenden-Managerin mit „Masterstudium in den Bereichen Marketing, Wirtschaft, Geisteswissenschaften oder vergleichbare Qualifikation“. Wenn du wissen willst, wie diese Stellen sonst noch heißen, sind die Seiten Fundraiser:in und Fördermittelmanager:in der schnellste Weg zu den offenen Anzeigen.
Veranstaltung, Community und Ehrenamt kommt auf 29 Anzeigen, oft unter Namen, die man nicht sucht, wenn man sie nicht kennt: Ehrenamtskoordinator:in ist so einer.
Redaktion und Journalismus ist mit 16 Anzeigen klein, aber präzise besetzt. Die Leibniz-Gemeinschaft sucht eine Wissenschaftsredakteurin, Open Doors International eine Abteilungsleitung für „Print, Redaktion und Grafik“ mit Kommunikationswissenschaften, Journalistik oder Publizistik.
Advocacy, Policy und Kampagne ist mit 9 Anzeigen die kleinste Familie, und sie gehört ehrlicherweise stärker zur Politikwissenschaft als zu den Geisteswissenschaften. Die Rollen heißen Campaigner:in und Politikberater:in.
Die folgende Zuordnung stammt aus den Stellentiteln der 94 Anzeigen, in denen ein Fach tatsächlich genannt wird. Sie ist keine Theorie darüber, was zu einem Fach passen könnte, sondern eine Liste der Wörter, unter denen diese Arbeitgeber ihre Stellen ausgeschrieben haben.
| Dein Fach | Danach suchst du |
|---|---|
| Germanistik, Sprach-, Literaturwissenschaft | Redaktion, Content, Copywriting, Lektorat, Öffentlichkeitsarbeit |
| Kommunikations-, Medienwissenschaft, Publizistik | Pressesprecher:in, Kommunikation, Social Media, Corporate Communications |
| Geschichte, Kunstgeschichte | Archiv, Sammlung, Registrar:in, Gedenkstätte, Wissenstransfer |
| Kulturwissenschaft, Kulturmanagement | Projektkoordination, Programm, Veranstaltung, Digital Learning |
| Philosophie, Theologie, Ethnologie | Referent:in, Bildungsarbeit, Globales Lernen, Qualifizierung |
| jedes dieser Fächer |
Zwei dieser Wörter lohnen sich besonders. „Referent:in“ funktioniert im gemeinnützigen Sektor eher wie eine Gehaltsstufe mit Themenzusatz als wie ein Berufsbild, deshalb steht dahinter fast jedes Thema. Und „Koordination“ taucht dort auf, wo anderswo „Projektmanagement“ stünde, gerade bei kleineren Trägern und Vereinen.
1.351 der 4.047 Anzeigen enthalten eine Formulierung wie „oder vergleichbare Qualifikation“, „oder vergleichbare Fachrichtung“ oder „oder ähnliche Qualifikationen“. Das ist jede dritte Anzeige, 33,4 Prozent. Umgekehrt sagt keine einzige Anzeige ausdrücklich, die Fachrichtung sei egal, und nur 122 nennen von sich aus einen Quereinstieg.
Der Sektor öffnet die Tür also nicht mit einer Einladung, sondern mit einem Halbsatz am Ende der Anforderungsliste. Praktisch heißt das: Eine Anzeige, die drei bis fünf Fächer aufzählt und dann „oder vergleichbar“ schreibt, ist für dich geschrieben, auch wenn dein Fach nicht in der Aufzählung steht. Die Bosch Stiftung listet für eine Werkstudentenstelle „Politik-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Verwaltungswissenschaften, Geistes- und Kulturwissenschaft, Pädagogik oder vergleichbar“, und die Aufzählung ist erkennbar nicht als Ausschlussliste gemeint.
Was dabei ehrlich dazugehört: 20 der 94 Anzeigen mit Fachnennung sind Werkstudierenden-, Hilfskraft- oder Praktikumsstellen, und 31 haben eine Hochschule oder ein Forschungsinstitut als Arbeitgeber. Das Fach wird am ehesten dann ausgeschrieben, wenn es um den akademischen Betrieb selbst geht. In der Praxis draußen zählt die Rolle.
Die Arbeitgeber hinter den 94 Anzeigen sind eine gute Landkarte für die Suche. Stiftungen und Verbände stellen über Kommunikation und Bildung ein: Heinrich-Böll-Stiftung, Bosch Stiftung, Baden-Württemberg Stiftung, BUND, Plan International Deutschland, Aspen Institute Deutschland. Museen, Archive und Gedenkstätten stellen über Sammlung und Vermittlung ein: Museum Brandhorst, Stiftung Museum Kunstpalast, Haus der Geschichte, KZ-Gedenkstätte Dachau, Deutsches Museum.
Der Teil, den kaum jemand auf dem Zettel hat, ist die Energiewirtschaft. Die Deutsche Energie-Agentur sucht Werkstudierende für Kommunikation und Veranstaltungen, Qair Deutschland für „PR & Communications für den Bereich Erneuerbare Energien“, LichtBlick für Copywriting, UKA für Marketing und Kommunikation, das Institut für Solarenergieforschung eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation. Die Energiewende hat einen Erklärungsbedarf, den Ingenieurinnen und Ingenieure nicht allein decken. Wenn dich diese Seite des Sektors interessiert, geben Green-Tech- und Klimaschutz-Jobs einen Überblick über das Feld.
Drei der 94 Anzeigen liegen im Bereich Software, Daten und IT, board-weit sind es 369. Die Zahl ist klein, aber die Anzeigen dahinter sind aufschlussreich, weil sie ein Fach und eine technische Aufgabe in derselben Zeile nennen. Next Kraftwerke sucht eine „Website & SEO/GEO Manager_in“ und verlangt „ein abgeschlossenes Studium der Kommunikationswissenschaften, Journalistik oder eine vergleichbare Ausbildung“. Die Leibniz-Gemeinschaft schreibt eine Stelle für Digital Humanities und Datenmanagement aus, in der ein Abschluss in Geschichts- oder Kulturwissenschaften mit nachgewiesener Praxis im Forschungsdatenmanagement ausdrücklich gleichwertig zu einem Informatikabschluss steht. Eine zweite Leibniz-Stelle für „AI-based Research Workflows“ nennt neben Informatik und Statistik auch Kommunikationswissenschaft und Soziologie.
Ein Weg in die Softwareentwicklung ist das nicht. Es heißt, dass an der Kante zwischen Inhalt und Technik, also bei Redaktionssystemen, Suchmaschinen, Forschungsdaten und der Bewertung von KI-Ergebnissen, Fachwissen über Texte und Quellen als Qualifikation gilt.
Wenn dein Fach in der Anzeige nicht vorkommt, musst du die Übersetzung selbst leisten, und zwar im ersten Absatz des Anschreibens statt im Lebenslauf. Nimm die zwei bis drei Aufgaben, die in der Ausschreibung ganz oben stehen, und belege jede mit etwas, das du tatsächlich gemacht hast: eine Hausarbeit über 80 Seiten ist Projektarbeit mit Deadline, ein Semester Redaktion der Fachschaftszeitung ist Öffentlichkeitsarbeit, eine Tutoriumsstelle ist Wissensvermittlung vor Gruppen. Die Fächerliste in der Anzeige beantwortest du in einem Satz, nicht mit einer Rechtfertigung.
Wie das im Gespräch weitergeht, steht in unserem Ratgeber zum Vorstellungsgespräch im NGO- und Sozialsektor; für den Einstieg oben im Anschreiben lohnt der Blick auf die moderne Bewerbungsanrede.
Wo du die Rollen aus diesem Artikel gerade offen findest: in der Jobsuche, gefiltert nach den Wörtern aus der Tabelle, im Bereich NGO und gemeinnütziger Sektor und in der Übersicht der Organisationen, wenn du lieber vom Arbeitgeber aus denkst. Wenn du noch weiter vorne stehst und erst sortieren willst, was du eigentlich suchst, ist die Ikigai-Methode ein brauchbarer Startpunkt.
Foto: Praveen Gupta auf Unsplash
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